Jeder Meter zählt: Spendenlauf für Bolivien

Manchmal kommt Hilfe aus ganz unerwarteter Richtung - in diesem Fall aus Süden. Vier Jahre waren bereits vergangen seitdem Nina Stallmann am Rainer-Maria-Rilke Gymnasium in Icking bei München ihr Abitur abgelegt hatte, als sie die Nachricht von ihrem ehemaligen Lehrer Herrn Haider erhielt. Einiges war in der Zwischenzeit passiert: Ein halbes Jahr hatte Nina als Ehrenamtliche in Nicaragua in einem Bildungsprojekt mit Kindern gearbeitet. Die ersten erfolgreichen Semester des Studiums zur Bauingenieurin an der RWTH Aachen lagen bereits hinter ihr und sie hatte begonnen sich nebenher im Projekt Bildung bleibt zu engagieren.
Die erfreuliche Nachricht von Herrn Haider erreichte Nina auf ihrer Rückreise vom Kochstellenbau mit einer Schülergruppe in dem entlegenen Chullpa (Bolivien) nachdem die ersten Empfangsbalken wieder auf ihrem Handy aufgeflimmert waren. Man wolle am Rainer-Maria-Rilke Gymnasium in diesem Jahr wieder einen Spendenlauf veranstalten. Zum Ende des Schuljahres würden alle Schülerinnen und Schüler für einen Schultag die Bücher geschlossen lassen um für den guten Zweck zu laufen. Die Schülerschaft habe gemeinsam mit der Schulleitung beschlossen in diesem Jahr als eines von zwei Projekten Bildung bleibt der Ingenieure ohne Grenzen e.V. zu begünstigen. Dazu hatten sie sich eigenständig Sponsoren aus ihrem Bekanntenkreis gesucht. Für uns ist dies eine riesige Ehre und eine große Chance: Mit ihren gesammelten Geldern ermöglichen die SchülerInnen den Bau von rauchfreien und holzsparenden Kochstellen in weiteren Gemeinden, vor Allem auch in den zahlreichen kleinen Dorfschulen der Region San Pedro. Die SchülerInnen, die dort ihre ersten sechs Schuljahre absolvieren, schleppen auf ihrem manchmal stundenlangen Schulweg stets ein Bündel Holz für die Schulköchin mit.


Wie bedankt man sich bei den SchülerInnen aus Icking für ihr sportliches Engagement? Vadim Usik und Tobias Kindsmüller, beide selbst Sportler, kam direkt Eines in den Sinn: ein Verpflegungsstand am Streckenrand. Ausgestattet mit 200 Bananen, Äpfeln und Müsliriegeln fahren die beiden früh am Morgen des 26. Juli nach Icking um mit ihrem Stand am Streckenrand Position einzunehmen.


Letztlich kann ein Plan noch so gut durchdacht sein, es gibt einfach Dinge, die außerhalb unserer Macht liegen. Es regnet in Strömen! Der zuvor sorgfältig abgesteckte Parkour im angrenzenden Wald war über Nacht komplett unbegehbar geworden. An den Spendenlauf ist nicht mehr zu denken. Es herrscht Krisenstimmung. Das Kollegium und die Schülersprecher diskutieren was zu machen ist. Eine Lösung muss her. Herr Badlehner schlägt vor den Parkour ins Schulgebäude zu verlagern, schließlich ist es ausreichend groß. Mit geringer Verspätung beginnt das Laufen dann - vom Erdgeschoss in das dritte, durch verschiedene Klassenzimmer und dann wieder runter, vorbei an Vadims und Tobias' Verpflegungsstand, der kurzerhand innen aufgebaut wurde. Die SchülerInnen wirken motiviert und werden es am Ende des Tages geschafft haben einen beachtlichen Betrag für unser Projekt gesammelt zu haben. Interessiert zeigen sie sich auch - an der Arbeit im Projekt Bildung bleibt, aber vor Allem auch an Vadims Storys aus der Zeit, als er mit seinem Esel durch das bolivianische Gebirge gewandert war.
Wir danken herzlich allen SchülerInnen, ihren Sponsoren und dem Kollegium des Rainer-Maria-Rilke Gymnasiums in Icking für Ihre Unterstützung!

 

 

Bildquelle: Süddeutsche Zeitung

Verfasser: Christoph Netsch