TJK-01

10.12.2018 // 11:05

Tadschikistan: Wasserprojekt in Anaturush

Das Dorf Anaturush mit ca. 260 Familien und ca. 2550 Einwohnern liegt etwa 40 km südöstlich von Dushanbe, der Hauptstadt Tadschikistans. Der nächste größere Ort Kafernigon liegt ca. 15 km entfernt Die Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, haupsächlich Substitutionswirtschaft. Durch das Dorf fließt ein Netz von Bewässerungsgräben, die Ihr Wasser aus dem Kafernigan-Fluss beziehen. Die Bewässerungsanlagen dienen hauptsächlich der Bewässerung von Baumwollfeldern außerhalb der Gemarkung.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Anaturush, Tajikistan
  • Zielgruppe: Bewohner des Dorfes Anaturush
  • Zeitraum: 03/2003
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Die Lage vor Ort wurde mit dem Dorfoberhaupt im März 2003 begutachtet, hierbei stellten wir fest dass Wasser aus dem Fluss als Trinkwasser entnommen wurde. In direkter Nähe liegen jedoch agrarisch genutzte Flächen, auf denen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. 

Das Dorf verfügt über einen eigenen 60 m tiefen Brunnen, einen kleinen Hochbehälter und ein Wasserversorgungsnetz. Ein Jahr vor unserem Besuch wurde die Brunnenpumpe beschädigt. Der Chefingenieur des Ortes hat die Pumpe die letzten Jahre immer wieder repariert und die Anlage mit seinen Mitteln für tadschikische Verhältnisse vorbildlich Instandgehalten, diesmal war eine Reparatur nicht mehr möglich. Hierdurch war die gesamte Wasserversorgung in Anaturush unterbrochen. Das Dorf ist nicht in der Lage die Mittel für die notwendige Reparatur aufzubringen. Verschiedene Schreiben an die Behörden haben keine Wirkung gezeigt. Seit Ausfall der Pumpe war die Bevölkerung auf die Wasserversorgung aus den Bewässerugskanälen und teilweise aus selbstgebauten Brunnen aus Oberflächennahen Schichten angewiesen, wer über ein Auto verfügte holte sich Wasser aus Kafernigon.

Durch die Schadstoffeinträge aus der Landwirtschaft in den Fluss und das nicht vorhandene Kanalisationssystem für Abwässer war der Gebrauch des Wassers aus dem Fluss und den weiteren noch verfügbaren Ressourcen die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet. Nach Aussagen des zuständigen Gesundheitsamtes traten mittlerweile auch Fälle von Typhus auf. Vor allem Kinder waren durch Durchfallerkrankungen geschwächt. Es gab nach Aussagen von Herrn Zuhurov (Head of Village Comittee) schon einige Tote. Medikamente können sich die Einwohner nicht leisten, da sie kaum über Bargeld verfügen.

Projektbeschreibung

Mit relativ geringen Mitteln kann in diesem Projekt ein großer Effekt in kurzer Zeit erzielt werden. Der Chefingenieur des Ortes hat über Jahre die Anlagen für tajikische Verhältnisse hervorragend in Ordnung gehalten, so dass dies auch in Zukunft zu erwarten sein wird. Er zeigt sein innovatives Schaffen immer wieder im Bau neuer kleiner Wasserkraftanlagen aus Schrotteilen. Diese Leute hätten es verdient durch eine verhältnismäßig kleine Maßnahme wieder zu trinkbarem Wasser zu kommen.

Um die Wasserversorgung wieder in Betrieb zu setzen und nachhaltig zu sichern waren in der ersten Phase folgende Maßnahmen erforderlich:
1. Lieferung und Einbau einer neuen Brunnenpumpe und des elektrischen Zubehörs.

2. Überprüfung des stilliegenden Hochbehälters, Reinigung, eventuell Reparatur von Leckstellen und Schutzanstrich gegen Korrosion Innen und Aussen.

3. Spülen und Chloren des Wasserversorgungssystems

 

Um die Wasserversorgung auch in der Zukunft sicherzustellen sollte eine kleine Gebühr von den Nutzern erhoben werden um eine Rücklage für laufende Reparaturen zu schaffen (z.B. Kauf von Ersatzteilen). Die notwendige Arbeitskraft wird von den Einwohnern kostenlos zur Verfügung gestellt. Um ein Bewusstsein für den Verbrauch zu schaffen, sollten in jedem Haus Wasserzähler eingebaut werden. Mit den Einwohnern soll eine Wassersatzung entwickelt werden, um den sparsamen Gebrauch von Wasser zu gewährleisten. Der Head of Village ist mit allen diesen Maßnahme einverstanden.

Die Pumpe wurde von Angelika Sames und Ralf Reiner Reimann auf ihrer Reise nach Tadjikistan im Flieger mitgenommen (116 kg!!+ Kabel!) und dann mit Hans Joachim Sames an den Head of village und den dortigen Chef Ingenieur übergeben. Das dazugehörige Kabel für die Pumpe wurde uns freundlicherweise von der Firma Grundfos Pumpen gespendet. Vielen Dank!

Ralph Osswald, Mitarbeiter der MVV-Energie Ag Mannheim hat freundlicherweise in seiner Freizeit den Einwohnern von Anaturush beim richtigen Anschluss der Pumpe geholfen. Vielen Dank!

Im Oktober 2003 wurde die Pumpe eingebaut und in Betrieb genommen, das heist es gibt wieder Wasser in Anaturush! Zur Einweihung gab es ein Wasserfest zur Einweihung des Brunnens. Die Menschen vor Ort sind überglücklich. Sie sagten, Ingenieure ohne Grenzen seien die einzigen die ihr Wort gehalten, und geholfen haben.

Es hatte sich noch gezeigt, das der Hochbehälter nicht richtig dicht war, dieser musste noch saniert werden, außerdem wurden noch Wasserzähler und diverse Schieber benötigt. Die Wasserzähler sind kurze zeit später in Anaturush angekommen. Es wurde ein Zähler als Anschauungsobjekt vor dem Dorfladen installiert. Dort liegt auch Informationsmaterial aus, um alle Einwohner die nicht auf der Einwohnerversammlung waren über das Projekt zu Informieren.

IOG empfiehl den Anwohnern das Projekt nahhaltiger zu gestalten, zu den weiteren Maßnahmen gehörte:

- erstellen einer Wassersatzung
- eine Gebührenkalkulation
- Aufbau eines Abrechnungswesen
- eine Roadmap zur Weiterentwicklung der Wasserversorgung

des Weiteren wurden durch IOG notwendige Ausbildungen empfohlen, hierzu gehören:

- nachhaltiges Wasssermanagement
- Lecksuche
- Prüfen der Wasserqualität
- Reparatur von Schadstellen