RWA-IOG00

18.04.2017 // 14:10

Ruanda: Fußgängerbrücke über den NYABARONGO

Die bestehende Fußgängerbrücke, die 2001 von Sandra Timmermann im Rahmen ihrer Diplomarbeit mit Unterstützung von Studenten des Kigali Institute of Science, Technology and Management (KIST) geplant und errichtet wurde, sollte damals eine Übergangslösung sein, bis eine notwendige Autobrücke finanziert und realisiert werden konnte. Nun war es soweit. Die Fußgängerbrücke wurde an dieser Stelle nicht mehr benötigt, an anderer Stelle aber dringend gefordert, da im ganzen Land jedes Jahr unzählige Menschen in den vielen Flüssen, beim Versuch diese zu überqueren, ums Leben kommen. Daher entschied wir (Ingenieure ohne Grenzen e.V. Stuttgart/Brückenbau und die Ingenieure vom KIST) uns, die Brücke zu versetzen, und so viele Materialen wie möglich wieder zu verwenden.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Nyagiseny, Ruanda
  • Zeitraum: 12/2004 bis 09/2005
  • Partnerorganisation: Kigali Institute of Science, Technology and Management (KIST)
  • Projektvolumen: ca. 10.000 Euro
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

2004 untersuchten bereits Thomas Eberspächer und Franco Milioto mögliche neue Standorte. Nach eingehenden Untersuchungen (Befragung der Bevölkerung, Bodenuntersuchungen), hat man sich für den jetzigen Standort (Nyagisenyi) über den Nyabarongo River entschieden. Die Projektleitung übernahm nun im Juni 2005 Florian Winkler (6.Sem. Bauingenieurwesen, FH - Stuttgart). Unterstützt wurde er von Tobias Metzler, der schon einige "Afrika Erfahrungen" während seiner 14-monatigen Zivildienstzeit in Südafrika sammeln konnte. Auch diesmal sollte wieder das Kigali Institute of Science, Technology and Management mit beteiligt sein. Drei der ehemaligen Studenten von 2001, nun Mitarbeiter von KIST, wurden freigestellt, um zumindest zeitweise bei den Bauarbeiten in der Nähe von Kilinda mit vor Ort zu sein, und uns bei der Einteilung der Arbeiter, Übersetzungen und diverse andere Arbeiten zu unterstützen. Der Transport, die Nutzung der Labore sowie eine Unterkunft bei KIST wurden schon im Vorfeld zugesagt. KIST wurde 1997 mit der Unterstützung der FH Münster nach dem Vorbild einer deutschen Fachhochschule aufgebaut. Ein Großteil der Förderung kam aus Holland und Japan. Derzeit studieren bei KIST über 3000 Studenten. In den Gebäuden werden zahlreiche Workshops angeboten, in denen die Studenten das theoretisch Erlernte gleichzeitig auch praktisch vertiefen sollen.

Projektbeschreibung

Ein paar Episoden von dem Bau der Brücke

Nachdem unser Projektteam in der ersten Woche alle beteiligten Personen bei KIST und der Deutschen Botschaft in Kigali besucht hatte, konnten wir mit den Bodenuntersuchungen beginnen. Hierfür fuhren wir für einen Tag nach Kilinda. Von diesem Dorf aus sind es ungefähr 6 km zur alten und 8 km, in die entgegen gesetzte Richtung, zur neuen Baustelle. Es wurde dort die bestehende Brücke begutachtet, eine Unterkunft für die Zeit der Bauarbeiten besorgt, sowie die neue Baustelle besucht. Da wir unterwegs bei zwei kleineren Straßenbrücken aufgehalten wurden, und beim Verlegen der neuen Baumstämme helfen mussten, und um 18.00 Uhr bereits die Sonne untergeht, mussten wir uns mit den Bodenproben beeilen. Für die einfache Strecke KIGALI -KILINDA (ca. 90 km) benötigt man im Allgemeinen 3 Stunden, da die letzten 20 km "Straße" in einem extrem schlechten Zustand sind. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann diese Reise schon mal 7 Stunden dauern. Nach den Untersuchungen der Bodenproben von der flachen Uferseite, stellte sich heraus, dass die Fundamentkonstruktion verändert werden musste. Der Boden hätte den Belastungen sonst nicht standhalten können. Aufgrund der Ergebnisse, der Rammsondierung, entschieden wir uns unter der Mitarbeit von Dr. Gatabazi (KIST) für die Herstellung von Sanddrains bis in eine Tiefe von 4,40 m. Die ursprünglich separaten Fundamente wurden mit einer 50 cm dicken Platte verbunden, um die Sohlspannungen zu reduzieren. Zwischendurch hatten wir fast 3 Wochen kein Auto, und mussten deshalb jeden Tag 15 km bergauf bergab zur Baustelle und zurück laufen. Dies war zwar, besonders abends, ziemlich anstrengend, aber auch - jedes Mal aufs Neue - ein großartiges Erlebnis. Nicht nur aufgrund der herrlichen Natur, sondern weil man teilweise von Kindern gerade zu verfolgt wurde, sie wollten unbedingt mal die Hand des Weißen Mannes berühren - nur um zu sehen, ob die weiße Farbe vielleicht nicht doch abgeht. Oder man hörte freudige Rufe: "Musungu acu" was soviel bedeutet wie: "Unser Weißer Mann", aus über hundert Metern Entfernung zwischen Bananenbäumen. Die Menschen haben wir teilweise gar nicht gesehen, aber auf jeden Fall immer zurück gewunken. Und hin und wieder wurden wir auf einen Bananensaft oder -bier eingeladen.

In den 10 Wochen wurden mit Hilfe von bis zu 100 Arbeitern und Arbeiterinnen / Tag (mit Umuganda), die Zuschläge (Sand, Kies und Mauersteine, insgesamt 150 to) auf die Baustelle befördert und 23 m³ Mauerwerk hergestellt, sowie 47 m³ Beton von Hand gemischt und verdichtet. Dies wurde notwendig, da wir keinen Betonmischer von KIST bekommen konnten und die Spirale unseres Innenrüttlers nach 2 m³ Betonage bereits gerissen ist. Nachdem wir die gebrochenen Schweissnähte des Pylons wieder geschweißt hatten, war das Aufstellen der beiden Pylone von Hand erheblich leichter als anfangs befürchtet.