NPL-IOG13

06.12.2018 // 11:19

Nepal: Lichtblicke im Himalaya

Steigerung der Energieverfügbarkeit mittels Kleinstwasserkraftanlagen in der Region um Phugmoche durch Verbesserung der Betriebs- und Wartungssituation


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Nepal, Solukhumbu Distrikt
  • Spendenkürzel: NPL-IOG13
  • Zielgruppe: Bewohner der Region um Phugmoche
  • Zeitraum: 03/2016 bis 12/2019
  • Partnerorganisation: Classroom In The Clouds
  • Projektdatenblatt als PDF: PDF icon projektdatenblattnpl-iog13.pdf
  • Projektkategorien: 

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Ausgangssituation

In den abgelegenen Regionen des Himalayas sind kleine Wasserkraftwerke häufig die einzige gemeinsame Stromquelle für Dorfgemeinschaften. Die Kraftwerke wurden durch die nepalesische Regierung oder NGOs finanziert und gebaut, jedoch wird die Verantwortung des Betriebes und der Wartung den Dorfgemeinschaften übertragen. Da keine adäquate Einweisung und Betreuung seitens der Regierung oder der NGOs erfolgt, sind die Betreiber in der Regel mit ihrer Aufgabe überfordert. Es kommt zu häufigen Ausfällen und Störungen bei der – sowieso schon sehr geringen– Stromversorgung.

Während unserer Erkundungsreise im Frühjahr 2016 wurden folgende Problemursachen identifiziert: Das unzureichende Fachwissen der Kraftwerksbetreiber, der Mangel an Wartungsfirmen, sowie unschlüssige Finanzierungskonzepte und keine Alltagserfahrungen mit elektrischem Strom. Darüber hinaus bestehen bei einigen Anlagen Konstruktionsmängel, die in Verbindung mit fehlendem Wissen lebensgefährlich sind. Auch die Dorfbewohner befinden sich in Gefahrensituationen; die Stromnetze sind in einem unsicheren Zustand, die Hausinstallationen wurden nicht fachgerecht ausgeführt und das Wissen über Elektrizität und Schutzmaßnahmen ist allgemein unzureichend.

Projektbeschreibung

Warum Strom im Himalaya?​

Ein großer Teil der heranwachsenden Landbevölkerung steht nach einer spärlichen Schulausbildung vor der Wahl zwischen arbeitsintensiver Subsistenzwirtschaft, Landflucht nach Kathmandu oder Arbeitsmigration in die Golfstaaten, da die Chancen auf ein geregeltes Einkommen sehr gering sind.

Die Lebensbedingungen auf dem Land können durch infrastrukturelle Maßnahmen, worunter eine verlässliche und sichere Stromversorgung fällt, entscheidend verbessert werden. Strom ermöglicht die Kommunikation mit Freunden und Verwandten, sowie den Zugang zu Informationen jeder Art. Elektrisches Licht schafft die Möglichkeiten in den Abendstunden Schularbeiten zu erledigen, zu lesen oder andere Aktivitäten auszuführen.

Auch ist eine funktionierende Stromversorgung die Grundlage für den Aufbau kleiner Betriebe, die eine Alternative zur klassischen Landwirtschaft darstellen und in anderen Regionen Nepals bereits erfolgreich dazu beitragen, den Lebensstandard nachhaltig zu verbessern.

 

Vorangegangenes Projekt

In Phugmoche, einer kleinen Ortschaft mit einer Schule und einem buddhistischen Kloster, fiel die vorhandene Wasserkraftanlage mit ca. 35 kW elektrischer Leistung 2010 für anderthalb Jahre  aus den oben geschilderten Gründen aus. Im Rahmen unserer Instandsetzung in 2011/2012 wurde nicht nur die Reparatur für eine erneute Inbetriebnahme vorgenommen, sondern auch die Betriebssicherheit verbessert: Dabei wurde eine Notabschaltung installiert, das Stromnetz generalüberholt und der Blitzschutz im Hinblick auf die Monsunzeit verbessert. In die einzelnen Arbeitsschritte wurde der ortsansässige Kraftwerkstechniker systematisch eingebunden, der nun die Anlage weiterhin eigenständig betreut. Als Ergebnis hat sich ein sehr stabiler Betrieb eingestellt, der eine dauerhafte Stromversorgung gewährleistet. Nach dem Erdbeben im Mai 2015 zum Beispiel schloss der Kraftwerkstechniker die Notunterkünfte an die Stromversorgung an.

 

Aktuell geplante zweite Projektphase

Durch die Arbeiten und den Kontakt zum Kraftwerkstechniker in Phugmoche und die Erkundungsreise unserer Gruppe wurden über einen langen Zeitraum Wissen und Erfahrungen in Bezug auf die Gesamtsituation von Wasserkraftanlagen auch in angrenzenden Dörfern gesammelt. Da die oben genannten Probleme keine Einzelheiten sind, sondern in vielen Dörfern zu finden sind, plant Ingenieure ohne Grenzen ein langfristiges Projekt mit mehreren Implementierungen in der Region Lower Solukhumbu.

Für die erste und damit aktuelle Implementierung beschäftigt sich das Projekt mit der Verbesserung der Umstände in Thulodhunga, einem Dorf im Lower Solukhumbu.

Wir haben uns zum Ziel gesetzt eine Grundschule sicher und zuverlässig mit Strom zu versorgen.

Dazu gehört der sichere Betrieb des Kraftwerks, der Bau einer stabilen Stromleitung sowie der Anschluss des Schulgebäudes mit den notwendigen Sicherungen wie Blitzschutz und Erdung. Sinn und Zweck dieser Maßnahmen ist, den Kraftwerksoperatoren und den Dorfbewohnern sowohl das Wissen als auch die Methoden zum Aufbau eines funktionierenden Netzes zu vermitteln, wodurch eine selbständige Reparatur und Verbesserung des Netzes in Zukunft durchgeführt werden kann. Damit soll in Thulodhunga ein Projekt entstehen, das sich andere Dörfer zum Vorbild nehmen können. Ein weiteres Ziel sind Schulprojekte für Kinder und Seminare für Erwachsene, die auf die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren von Elektrizität aufmerksam machen. Hierzu stehen wir in intensivem Kontakt mit einem Mitarbeiter von Classroom In The Clouds, einer Organisation, die sich für bessere Bildung in Nepal engagiert. Er ist regelmäßig in Thulodhunga tätig und kann uns daher mit aktuellen Informationen aus dem Dorf unterstützen.

Langfristig soll die Zusammenarbeit mit dem Operator und seinem Kraftwerkskomitee ein Teil des Projektes werden. Workshops über gute Wartung, Betrieb und Finanzierung der Anlage stehen dabei im Mittelpunkt. Zudem wollen wir die Vorteile von Kommunikation mit nahe gelegenen Dörfern aufzeigen, damit Wissen in Zukunft besser ausgetauscht werden und sich bei Problemen gegenseitig geholfen werden kann.

In späteren Implementierungen sollen mehrere Dörfer in das Projekt eingeschlossen werden.