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MWI-IOG01

10.12.2018 // 16:22

Malawi: Licht und Wasser für Schulen

Sicherstellung einer Brauchwasserversorgung für einen Schulkomplex in der Kasungu Provinz von Malawi, sowie die Ausstattung der Schulräume der Secondary School mit Licht


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Chikhosi, Malawi
  • Spendenkürzel: MWI-IOG01
  • Zielgruppe: SchülerInnen und LehrerInnen der Chambala Primary und Secondary School
  • Zeitraum: 09/2012 bis 12/2019
  • Partnerorganisation: abc-Gesellschaft e.V., Essen
  • Projektvolumen: ca. 30.000 Euro
  • Projektdatenblatt als PDF: PDF icon projektdatenblattmwi-iog01.pdf
  • Projektkategorien: 

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Ausgangssituation

Malawi ist mit Rang 171 von 186 im Human Development Index eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Der Wohlstandsindikator der Vereinten Nationen umfasst in diesem Zusammenhang die Bereiche Bildung, Gesundheit und Einkommen. Dabei beläuft sich die durchschnittliche Schulzeit der erwachsenen Bevölkerung zum jetzigen Zeitpunkt auf 4,2 Jahre, wobei Schulklassen von 80 Schülern keine Seltenheit sind.
Des Weiteren ist die Infrastruktur in ländlichen Gegenden nur wenig ausgebaut, sodass eine flächendeckende Stromversorgung der Bevölkerung nicht gegeben ist. Zusätzlich ist die nächste Wasserstelle oftmals mehrere Kilometer von dem zu versorgenden Gebäude oder Dorf entfernt.

Die Chambala Primary und Secondary School wurde von der gemeinnützigen abc-Gesellschaft mit Sitz in Essen errichtet. Der Gebäudekomplex der Schule ist an keine Infrastruktur angeschlossen, sodass Licht und Wasser nicht ausreichend zur Verfügung stehen und der Anreiz für gut ausgebildetes Lehrpersonal in den ländlichen Regionen zu unterrichten nicht gegeben ist. Die Schule verfügt zwar über einen Brunnen, dieser liefert jedoch aufgrund der geografischen Lage nur unzuverlässig Wasser. Als Folge werden die zur Verfügung stehenden Mengen an Brauchwasser beinahe ausschließlich zum Kochen und Trinken verwendet, sodass dies zu mangelhaften hygienischen Verhältnissen, besonders an den sanitären Einrichtungen, führen kann. Hinzu kommen die Aufgaben der älteren Kinder, welche tagsüber oftmals auf den Feldern mithelfen müssen, weshalb der Schulunterricht der Secondary School bis etwa 22:30 Uhr stattfindet.

Projektbeschreibung

Unser Projekt hat zum Ziel, ein durchgängiges und verbessertes Lehrangebot an der Schule durch die Bereitstellung von Brauchwasser und Licht zu ermöglichen. Gemeinsam mit den ortsansässigen Verantwortlichen, wurden im Rahmen der Erkundung im Jahr 2014 die genauen Ursachen der Mängel ausgewertet und eine Strategie mit den Menschen vor Ort erarbeitet. Diese soll nun mit der Durchführung einer Grundwasserbohrung und Errichtung eines Brunnens zur Brauchwasserversorgung sowie einer Stromversorgung mittels Photovoltaik zur Beleuchtung der Bibliothek im Zuge der Implementierungsphase umgesetzt werden.

Aufgrund der nicht vorhandenen und von den lokalen Behörden nicht dokumentierten Informationen über den Grundwasserspiegel, werden für die Implementierung direkt zwei Grundwasserbohrungen geplant. Somit möchten wir als Regionalgruppe sicherstellen, dass für den Fall einer misslungenen ersten Grundwasserbohrung eine zweite ohne Verzögerungen durchgeführt werden kann. Sofern die erste Bohrung jedoch gelingt, werden die verbleibenden Spendenmittel direkt in die Erweiterung der Photovoltaikanlage investiert. Dies ist problemlos möglich, da sämtliche Materialien und Geräte vom lokalen Markt bezogen werden. Somit ist auch nach Abschluss des Projektes eine eigenständige Weiterführung und Wartung durch die Bevölkerung möglich.

Des Weiteren ist während der Erkundung besonders die unzureichende Ausstattung der Hygieneeinrichtungen aufgefallen, sodass wir in einem Folgeprojekt ebenfalls auf diesem Gebiet tätig werden möchten. Diesbezüglich ist parallel zur Implementierung eine weitere Erkundung vor Ort geplant, um eine Recherche hinsichtlich mangelnder Hygiene und den daraus möglicherweise resultierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen durchzuführen. Aus den Ergebnissen sollen weitere Schritte, sofern notwendig, abgeleitet werden.

Projektphase 1 - Erkundung

Eine Erkundungsreise im September 2014 zeigte, dass die Schul- und Lehrergebäude sowie die Häuser der Gemeinde Chipokolo an keine Infrastruktur zur Wasser- und Stromversorgung angebunden sind. Es existierte zwar ein Schulbrunnen, jedoch führte dieser kaum Wasser und ist daher als Wasserquelle nicht nutzbar. Somit ist die einzige Quelle zur Trink- und Brauchwasserversorgung der Dorfbrunnen, der ca. 1 km entfernt von den Chambala Schulen gelegen ist.
Das Wasser für den täglichen Bedarf wird daher traditionell von Frauen und Kindern zu Fuß mit Wassereimern zu den Häusern transportiert. Nicht nur der weite Weg zum Brunnen, sondern auch die langen Wartezeiten aufgrund des hohen Andrangs führen dazu, dass der Zeitaufwand für die Beschaffung von Wasser sehr groß ist. Auf dem Schulgelände selbst wird die Wasserbeschaffung für Hygienemaßnahmen von den Schülern während des Unterrichts erledigt. Dies führt demzufolge jedoch zu weiteren Unterrichtszeitverlusten.
Zusätzlich zu diesen Einschränkungen, ist es ebenfalls durch die mangelhafte Stromversorgung nach dem frühen Sonnenuntergang für die Schüler nahezu unmöglich weiter zu lesen und zu lernen. Zur Erfüllung des Projektziels, galt es für dieses Problem ebenfalls eine geeignete Lösung zu finden, um die Bildung nachhatlig verbessern zu können.

Projektphase 1 - Implementierung

Nach der erfolgreichen Erkundungsreise und intensiver Prüfung der Umsetzbarkeit der Konzepte zur Versorgung der Chambala Schulen mit Wasser und Elektrizität, erfolgte im September 2016 die Implementierung der geplanten Maßnahmen.

Für die Auswahl des Brunnenstandorts waren neben den geologischen Gegebenheiten auch soziale Kriterien ausschlaggebend. So sollte der neue Brunnen idealerweise in direkter Nähe der Schulen gelegen sein, damit sich die Erreichbarkeil sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer verbessert.
Die Suche nach wasserführenden Schichten sollte sich jedoch schwieriger gestalten als geplant. Mithilfe von lokalen Brunnenbohrunternehmen und diversen Probenentnahmen, konnte dann bei der fünften Bohrung ein geeigneter Standort mit genügend nachlaufendem Wasser zum Betrieb eines Brunnens gefunden werden. Nach der Installation der Pumpe verbreitete sich die Nachricht eines funktionierenden Brunnens unter den Schülern und Dorfbewohnern innerhalb weniger Minuten, sodass die Leute mit ihren Eimern zu dem Brunnen strömten. Wenige Tage später wurden die letzten Bauarbeiten am Fundament abgeschlossen und der Brunnen von Lehrern, Schülern und Dorfbewohnern gemeinsam mit dem Projektteam eingeweiht.

Strom für die Chambala Schulen

Um die Chambala Schulen und die Bewohner der Gemeinde Chikosi mit Elektrizität zu versorgen, wurde auf dem Dach der Schule mit lokalen Partnern und Händlern eine Solaranlage errichtet. Über ein Gleichstromsystem werden sechs LED-Lampen in der Bibliothek der Schule versorgt und ermöglichen es allen Schülern auch nach Sonnenuntergang zu lernen. Zwei weitere Lampen dienen zusätzlich der äußeren Beleuchtung. Hinzu kommt ein weiteres Wechselstromsystem, um das Laden und Betreiben von kleinen elektrischen Geräten zu ermöglichen.

Parallel zur Implementierung wurden Komitees aus Dorf- und Schulangehörigen zusammengestellt. Mit diesen wurden Vereinbarungen für die Bereiche Strom und Wasser ausgearbeitet. Diese Vereinbarungen umfassen insbesondere den Umgang und die Wartung der Anlagen. Nach der Installation der Anlagen wurden bei der Übergabe an die Komitees Handhabungs- und Wartungseinführungen durch das Projektteam von Ingenieure ohne Grenzen durchgeführt. Dabei wurden beispielhaft verschiedene Szenarien mit den Anwesenden durchgespielt bei denen die Komitees Lösungen und Handhabungen erarbeiteten. Dies soll sicherstellen, dass auch nach der Abreise des Projektteams die Wartung der Anlagen fachgerecht durchgeführt und Probleme eigenständig gelöst werden können.

Projektphase 2 - Erkundung

Während der ersten Projektphase stellten die Projektteams bereits fest, dass im Bereich der Sanitärversorgung ebenfalls Bedarf besteht ebendiese auszubauen bzw. zu verbessern. Das Ziel der Ende 2016 durchgeführten Erkundung war es, eine Bestandsaufnahme in den Bereichen Sanitär und Hygiene durchzuführen. Dies sollte Aufschluss über die aktuelle Anzahl, die Lage, den Zustand und die durchgeführten Wartungen der Toiletten geben. Auch die Möglichkeiten zum Händewaschen sowie die eventuell auftretenden Krankheiten durch mangelnde Hygiene wurden evaluiert. Parallel dazu wurde noch ein weiteres wichtiges Thema angegangen, die Menstruationshygiene. Hierbei sollte überprüft werden, wie die Schülerinnen mit der Monatsperiode und den ihnen zur Verfügung stehenden hygienischen Möglichkeiten umgehen. Dabei war es wichtig herauszufunden, welchen Einfluss dieser Zeitraum auf die schulische Bildung haben kann, beispielsweise durch Fernbleiben am Unterricht aufgrund fehlender Waschräume.

Hierbei zeigte sich, dass die Gemeinde bereits deutliche Fortschritte im Bereich der Sanitärversorgung erreicht hat. Jedoch reicht die Anzahl der verfügbaren Toiletten immer noch bei Weitem nicht aus. Zudem gibt es nach wie vor keine hygienisch ausreichenden Möglichkeiten zum Händewaschen nach dem Toilettengang. Dadurch ist das Krankheits- und Infektionsrisiko erheblich erhöht.
Bei der Untersuchung des Umgangs der Schülerinnen mit der Monatsperiode wurden Unterrichtsfehlzeiten der Schülerinnen während ihrer Monatsperiode betrachtet sowie Gespräche mit Lehrerinnen und Schülerinnen an beiden Schulen geführt. Es wurde deutlich, dass auch hier noch erheblicher Bedarf an Verbesserung besteht, da es teilweise zu beachtlichen Fehlzeiten der Schülerinnen kommt. Erste Erfolge konnten bereits durch die Ausgabe von Menstruationstassen sowie bei der Durchführung eines Workshops zur Benutzung dieser Tassen in Kooperation mit einem lokalen Partner vor Ort erzielt werden.

Projektphase 2 - lmplementierung

ln der als nächstes anstehenden Implementierungsphase sollen sowohl die Toiletten weiter ausgebaut, als auch Tippy Taps zum Händewaschen errichtet werden. Aufgrund der geringen Menge an Toiletten für diese große Anzahl von Schülern, kommt es in den Pausen häufig zu langen Wartezeiten. Dies hat zur Folge, dass eine Vielzahl an Schülern stattdessen während des Unterrichts die Toiletten aufsuchen oder beispielsweise auf das Feld urinieren. Zum einen führt dies erneut zu Fehlzeiten, zum anderen stellt dies allerdings auch eine erhöhte Gefährdung zur Krankheitsübertragung dar. Keime können durch Pflanzen aufgenommen werden und in die Nahrung gelangen. Demzufolge gilt es diese Situation schnellstmöglich zu optimieren, beispielsweise durch die Errichtung von verbesserten Toiletten mit einem zusätzlichen Ventilationsrohr zur Verminderung von Geruch und Fliegen.

Des Weiteren ist in direkter Nähe zu den Toiletten keine Möglichkeit zum Händewaschen vorhanden. Vor den Eingängen beider Schulen sind Wassereimer mit Bechern zum Wasserschöpfen aufgestellt, jedoch müssen diese Eimer von den Schülern mit Wasser aus dem 1 km entfernten Dorfbrunnen befüllt werden. Durch die Errichtung eines weiteren Brunnens während der ersten Projektphase, wurde der Zeit- und Unterrichtsverlust bereits deutlich  verringert. Allerdings wird das Händewaschen nicht von allen Schülern nach jedem Toilettengang durchgeführt, obwohl die Lehrer bereits ein großes Bewusstsein für dieses Thema an den Tag legen. Die Folge ist eine schnellere Übertragung von Krankheitserregern, die zu Durchfallinfektionen, Wurmerkrankungen sowie Haut- und Augenentzündungen führen können. Durch die Errichtung von Tippy Taps an zweckmäßigen Standorten, der Verbesserung der Toilettensituation und der Vermittlung des Wissens über die Gefahren in Schulungen und der Einbindung in den Unterricht, soll die Ausbreitung von Krankheitseregern reduziert werden.
Auch hierbei liegt der Fokus erneut auf der Einbeziehung der Gemeinde, um einerseits den Wissenstransfer sicherzustellen und andererseits Anreize zu schaffen dies zukünftig selbständig weiter auszubauen.

Zusätzlich sollen weitere Workshops zur Handhabung der Menstruationstassen angeboten werden, da auch zu dieser Thematik ein sehr hoher Bedarf festgestellt wurde. Hierbei gilt es aktuell zu evaluieren, ob diese Option für eine Verbesserung der Situation ausreicht oder andere Lösungsansätze, beispielsweise Waschmöglichkeiten, zielführender wären.

Das Projekt ist Teil des Programmes "Grundversorgung für Schulen - Wasser. Strom. Sanitär.".