ETH-IOG01

18.04.2017 // 13:07

Äthiopien: Grundwasserdämme für die Wasserversorgung

Das Projekt „Grundwasserdamm SSD-KORARO-01“ der Ingenieure ohne Grenzen e.V. ging aus dem TAWI-Projekt hervor, welches von der Fachhochschule Münster in Kooperation mit den Universitäten Münster und Mekelle (Äthiopien) durchgeführt und in seinen Anfängen durch die National Geographic Society of America finanziert wurde. Dabei handelt es sich um eine Kooperation zur Verbesserung der Wasserversorgung, mit geringem Malariarisiko, in den Regionen Tigray und Afar (Äthiopien).


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Koraro (Tigray), Äthiopien
  • Zielgruppe: Bevölkerung von Koraro
  • Zeitraum: 01/2009 bis 09/2009
  • Partnerorganisation: Mekelle University, Universität Münster
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Das Projekt „Grundwasserdamm SSD-KORARO-01“ der Ingenieure ohne Grenzen e.V. ging aus dem TAWI-Projekt hervor, welches von der Fachhochschule Münster in Kooperation mit den Universitäten Münster und Mekelle (Äthiopien) durchgeführt und in seinen Anfängen durch die National Geographic Society of America finanziert wurde. Dabei handelt es sich um eine Kooperation zur Verbesserung der Wasserversorgung, mit geringem Malariarisiko, in den Regionen Tigray und Afar (Äthiopien). Das Kürzel TAWI steht für Tigray and Afar Water Initative.
Die Kooperationspartner kamen zu dem Schluss, dass man die Wasserversorgung am besten durch Grundwasserdämme verbessern kann.

Unter Grundwasserdämmen versteht man Körper aus wasserundurchlässigem Material, die im Gewässerbett, quer zur Strömungsrichtung, eingebaut werden. Diese Körper (z.B. aus Ton) blockieren dabei den Wasserabfluss im Boden unter dem Gewässerbett und aktivieren dieses dadurch als Speicher.

Projektbeschreibung

Von Anfang 2007 bis Anfang 2008 folgte die Suche nach einem geeigneten Standort, mit Versorgungsproblemen und hydrogeologisch günstigen Verhältnissen, in den Regionen Tigray und Afar. Ein solcher Standort wurde in dem Dorf Koraro (Tigray) gefunden. Neben der wasserwirtschaftlich-geologischen Komponente weist das TAWI-Projekt auch eine medizinische Komponente auf, in deren Rahmen bereits im Jahr 2008 der Gesundheitszustand der Bevölkerung, insbesondere die Malaria-Prävalenz, erhoben wurde.

Das TAWI-Projekt fand in uns, den Ingenieuren ohne Grenzen e.V., einen Partner, um eine erste Anlage, zu realisieren. Diese soll nach entsprechender Optimierung als Musteranlage für Schulungen dienen und so den Effekt der Maßnahme multiplizieren. Gegenstand des aktuellen Teil-Projekts, über das hier berichtet wird, ist der Bau der Anlage mit Sperrenbauwerk, Entnahmebrunnen und Nebenanlagen. Die Baukosten wurden – neben zahlreichen größeren und kleineren Spenden – zu einem erheblichen Teil aus dem Mikroprojekte-Fond der Deutschen Botschaft in Addis Abeba finanziert.

Diese Anlage, Koraro 01, ist die Erste ihrer Art in Nord-Äthiopien. Dabei wurde ein Sandspeicherdamm (eine Unterart des Grundwasserdamms bei dem das Flussbett gezielt aufsedimentiert wird) erstellt und konstruktiv gesichert. Zusätzlich wurde ein Brunnen mit einer Handpumpe gebaut, mit welcher der so geschaffene Speicher auch genutzt werden kann. Das ganze Areal wurde schließlich noch mit einem Zaun umgeben, um eine Verschmutzung durch Vieh zu verhindern.

Die Durchführung des Projektes erforderte drei Monate Aufenthalt in Äthiopien, speziell in Koraro (Dammbaustelle), Mekelle (Provinzhauptstadt, Kooperationspartner, Materialkauf) sowie Hawzen (Materialkauf, zuständige Behörde). Hinzu kamen bzw. kommen Phasen der Planung und Nachbereitung in Deutschland. Alle Bauarbeiten vor Ort wurden von den Nutzern des Projektes selbst ausgeführt und durch uns angeleitet und überwacht.

Die Planung und die Bauleitung wurden von uns in unbezahlter, ehrenamtlicher Arbeit ausgeführt. Die ausführliche Dokumentation des Projektes erfolgt innerhalb der nächsten Monate im Rahmen von zwei Diplomarbeiten. Mit den gewonnenen Erkenntnissen und Erfahrungen sind wir zuversichtlich, weitere, verbesserte Grundwasserdämme bauen zu können.

Eine Redakteurin der Wochenzeitung DIE ZEIT begleitete für eine knappe Woche die Bauarbeiten in Koraro. Ihre Reportage über unser Projekt erschien am 3. September 2009 in der Rubrik „Chancen“.

Projektgebiet

Das Projektgebiet befindet sich im nördlichen Hochland Äthiopiens in der Region Tigray, die, durch jahrelangen Bürgerkrieg in vergangener Zeit, stark gelitten hat und somit wohl zu den ärmsten Gebieten Äthiopiens gehört.

Das Dorf Koraro ist eine Ansammlung von Steinhäusern mit Wellblechdächern in einer sehr unzugänglichen Landschaft. Es fasst mittlerweile etwa 5000 Menschen, die hauptsächlich von der Landwirtschaft leben. Da das Land dort sehr unter den Folgen von Erosion und Trockenheit leidet, ist Koraro derzeit stark auf die Hilfe von außen angewiesen (vor allem USAID Hilfslieferungen in Form von Mais und Weizenmehl). Außerhalb der Regenzeit führt keiner der zahlreichen Flüsse Wasser. Die wenigen Brunnen mit Handpumpen fördern ungenießbares, salziges Grundwasser. Um dem entgegen zu wirken werden derzeit viele Versuche der Regierung und der UN unternommen um die Lebenssituation zu verbessern.

Die Jahresniederschläge liegen hier bei semi-aridem (halbtrockenem) Klima um etwa 500 mm/a. Sie fallen jedoch zu ca. 80 % innerhalb von 3 Monaten der Hauptregenzeit von Mitte Juni bis Mitte September. Das daraufhin abfließende Oberflächenwasser fließt so schnell ab, dass es praktisch nicht genutzt werden kann. Der Grundwasserspiegel liegt teilweise relativ tief (mehr als 7 m) unter der Gelände-Oberfläche. Dort, wo er höher anzutreffen ist, ist das Grundwasser in der Regel zu salzig für den menschlichen Genuss. Es findet sich nur an wenigen Stellen Wasser unter trocken fallenden Gewässerbetten, das nicht vom salzigen Grundwasser beeinträchtigt ist.