DEU-IOG02

23.04.2018 // 11:42

Forschungsprojekt: Solare Wasserdesinfektion

Wir entwickeln ein Konzept zur solaren Wasserdesinfektion unter Verwendung von lokalen Materialien


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Mwanga, Tansania
  • Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler einer Berufsschule in Mwanga, Kilimanjaro
  • Zeitraum: 02/2012 bis 12/2017
  • Partnerorganisation: Malage Vocational Training Centre, Kilimanjaro, Tansania
  • Projektvolumen: ca. 17.000 Euro
  • Projektdatenblatt als PDF: PDF icon projektdatenblattdeu-iog02.pdf
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Verunreinigtes Trinkwasser stellt in vielen Ländern ein großes Problem für die Gesundheit der lokalen Bevölkerung dar. Insbesondere in großen Teilen Afrikas und Südostasiens haben viele Menschen keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser und sind deshalb auf Wasseraufbereitungsmaßnahmen angewiesen. Dabei ist das Abkochen von Wasser die am weitesten verbreitete Methode, um gesundheitsschädliche Keime und Krankheitserreger zu vernichten. Das Abkochen von Wasser über einem Feuer ist jedoch häufig mit hohen Energiekosten sowie mit Umwelt- und Gesundheitsproblem durch Entwaldung und Rauchemissionen verbunden. Ziel unseres Projektes ist deshalb die Entwicklung einer Wasseraufbereitungsanlage, die möglichst kostengünstig und ressourcenschonend eine Wassermenge für ca. einen Haushalt aufbereiten kann und in Übereinstimmung mit dem Leitbild des Vereins zu einer nachhaltigen und dauerhaften Verbesserung der Lebensqualität in den entsprechenden Regionen führt.

Projektbeschreibung

Die von uns entwickelte Anlage entkeimt mikrobiologisch belastetes Wasser mit Hilfe von Solarenergie, wodurch das Abkochen unter Verwendung teurer Brennstoffe und knapper Ressourcen ersetzt werden kann. Zudem wird vollständig auf elektrische Energie oder chemische Zusätze verzichtet. Die Anlage ist so konstruiert, dass stets eine ausreichend hohe Temperatur erreicht wird und auch bei einem Defekt kein unzureichend erhitztes Wasser ausgegeben wird. Außerdem sind die verwendeten Materialien weit verbreitet und relativ günstig. Der Aufbau der Anlage ist so einfach wie möglich gehalten, um diesen mit möglichst wenigen und einfachen Hilfsmitteln durchführen zu können und um die Instandhaltung zu vereinfachen. Unser Ziel ist, eine Bauanleitung der entwickelten Anlage zu veröffentlichen und zur kostenfreien Verfügung zu stellen. Dadurch wollen wir unserem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ folgend die Verbreitung der Technologie und den Selbstbau der Anlage möglich machen.

Ablauf

Die Idee zur Entwicklung einer solaren Wasseraufbereitungsanlage entstand bereits im Jahr 2010. Seitdem wurden insgesamt drei Prototypen einer solchen Anlage entworfen, ausgelegt und aufgebaut. Dabei wurden zum einen verschiedene Konstruktions- und Fertigungsvarianten getestet und zum anderen thermische und mikrobiolgische Untersuchungen zur Validierung durchgeführt. Eine Veröffentlichung hierzu ist zu finden unter: tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/4460. Anschließend wurde unter Berücksichtigung der durch die zahlreichen Versuche gewonnenen Erkenntnisse eine Bauanleitung erarbeitet.

Projektphase 2017

Für Januar 2017 ist ein Praxistest in Tansania geplant. Zielsetzung ist die Erprobung der Bauanleitung in Zusammenarbeit mit einer Berufsschule in der Nähe des Kilimanjaros, indem die Anlage von den dortigen Schülern aufgebaut wird. Es sollen dabei die Verständlichkeit der Anleitung, die generelle Durchführbarkeit und die Verfügbarkeit der benötigten Materialen betrachtet werden. Die Ergebnisse sollen im Anschluss in eine Überarbeitung der Anleitung einfließen, welche darauf in mehreren Sprachen veröffentlicht wird.

Die im Testaufbau entstandene Anlage soll weiter von der Berufsschule betrieben werden. Somit wird die Wassersituation vor Ort verbessert und die Langzeitfunktion der Anlage kann untersucht werden. Dazu sollen periodisch Proben des aufbereiteten Wassers im Hinblick auf ihre Qualität untersucht werden. Zusätzlich sollen in einem Workshop mit den Schülern die Sensibilität gegenüber Wasserqualität und Hygiene sowie das technische Verständnis der Anlage und deren Funktionsweise erhöht werden. Um die Verbreitung der Anlage zu fördern, soll ein Austausch mit potenziellen Nutzern und Herstellern erfolgen und erste Kontakte geknüpft werden.