Blog des Projekts Bangladesch: Sunny Education Bangladesh - Anandalok School Project

19.11.2018 // 17:18

BGD-IOG03 | Vorstellung unseres Erkundungsteams

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Zu Beginn des kommenden Jahres wird ein Team aus zwei Mitgliedern unserer Frankfurter Regionalgruppe nach Bangladesch ausreisen, um während der Erkundung alle für die erfolgreiche Projektdurchführung erforderlichen Informationen vor Ort zu sammeln. Dazu gehören auch eine noch intensivere Zusammenarbeit mit unserem potentiellen Projektpartner NETZ vor Ort, der Besuch der Schulen und eine Bestandsaufnahme der örtlichen, klimatischen und soziologischen Gegebenheiten vor Ort, das Gespräch mit möglichen Lieferanten und vieles mehr. Insbesondere ist auch zu klären, wie eine zur Stromerzeugung installierte Anlage durch die Schulen als Begünstigte im Anschluss auch instandgehalten und gewartet werden kann.

Aber wer sind eigentlich die engagierten und hoch motivierten Ehrenamtlichen, die als Erkundungsteam ausreisen werden?

In diesem und dem folgenden Blogbeitrag wollen wir die Gelegenheit nutzen, sie selbst zu Wort kommen zu lassen.

Hallo Karlheinz, du hast seit einigen Monaten die Rolle des Projektleiters für unser Projekt "Sunny Education Bangladesh" inne. Wie bist du denn überhaupt zu Ingenieure ohne Grenzen bzw. diesem Projekt gekommen?

Mein Engagement für Ingenieure ohne Grenzen begann im Jahr 2015 mit einem Ende - dem Ende meines Arbeitslebens. 45 Jahre Berufstätigkeit mit Stationen wie der Lehre zum Starkstromelektriker, dem Elektrotechnik-Studium und als Projektingenieur und späterem Abteilungsleiter im IT-Bereich waren mit einem Schlag Vergangenheit.

Im gleichen Jahr kamen hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland. Das war die Gelegenheit Menschen, die nicht wie ich das Glück hatten in Deutschland geboren zu sein, zu helfen. Bis heute bin ich einer Flüchtlingsunterkunft tätig und sorge für ein reibungsloses Miteinander von Bewohnern aus unterschiedlichen Ländern, die hier auf engstem Raum zusammen leben. Besonders freue ich mich über die Kinder, mit denen ich 2 Jahre Taekwondo trainiert habe. Mittlerweile sprechen sie perfekt Deutsch und gehen in die Schule.

Zufällig kam ich auf einem Weihnachtsmarkt an einen Stand der Ingenieure ohne Grenzen e.V. Eigentlich hatte ich das Gefühl mich schon genug sozial zu engagieren, aber war dennoch neugierig geworden und ging zu einem der Neuinteressententreffen. Das Treffen war ernüchternd: Zu diesem Zeitpunkt hatte die Regionalgruppe gerade erst ein Projekt abgeschlossen; ein weiteres konkretes Projekt gab es nicht. Das musste erst noch geboren werden.

Beiläufig erzählte ich meinem bengalischen Freund vom Treffen des Vereins. Er ist Gründer der deutsch-bengalischen Gesellschaft und setzt sich unermüdlich mittels verschiedenster kultureller Veranstaltungen für die Integration von Migrantinnen und Migranten ein. Er schüttelte den Kopf und meinte: "Ihr habt kein Projekt und bei mir zu Hause ist die Infrastruktur so schlecht, dass Gebäude einstürzen und mehr als tausend Menschen darunter begraben werden." Ein paar Wochen später rief er mich an. Er säße gerade mit seinen bengalischen Gästen in unserer Pizzeria in Heddernheim,  unter anderem mit einem Regierungsbeamten. Ich solle doch mit meinen Ingenieuren dazu kommen und wir könnten uns über Hilfsprojekte unterhalten. Bei allem Willen zu helfen, schafften wir es nicht kurzfristig in die Pizzeria zu kommen und der Besuch reiste tags darauf wieder ab. Wir versuchten hartnäckig den Kontakt per E-Mail und Brief herzustellen, letztendlich kam er nie zustande.

Daraufhin streckten wir unsere Fühler in Deutschland aus, um uns über das Land Bangladesch zu informieren und zu erkunden, welche anderen Vereine vor Ort tätig sind. So kamen wir das erste Mal mit der Nichtregierungsorganisation NETZ Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit e.V. in Kontakt. NETZ Bangladesch, wie der Verein auch genannt wird, setzt sich bereits seit 25 Jahren für die Rechte der am stärksten benachteiligten Menschen in Bangladesch ein. So errichtete NETZ Bangladesch mit anderen Partnerorganisationen vor Ort Schulen, um insbesondere Kindern in ländlichen und schwer zugänglichen Regionen eine Schulbildung zu ermöglichen. Andere Projekte setzen beispielsweise den Schwerpunkt auf die Themen Ernährungssicherung oder die Stärkung der Frauen.

Als ein Mitglied unserer Regionalgruppe zufällig zur gleichen Zeit beruflich in Bangladesch war, traf er sich mit einigen Vertretern von NETZ Bangladesch, um über ein mögliches gemeinsames Engagement zu sprechen. Dabei erfuhr er, dass der Schulunterricht durch die Hitze im Sommer erschwert wird und die zeitliche Nutzbarkeit der Schulen zudem sehr eingeschränkt ist. Ohne elektrische Lichtquellen kann der Unterricht nur zu den Zeiten stattfinden, an denen ausreichend Tageslicht zur Verfügung steht. Eine Möglichkeit eines Engagements von Ingenieure ohne Grenzen e.V. wäre also die Bereitstellung einer Stromversorgung für 33 Schulen im Norden des Landes. Mit dieser nunmehr sehr viel konkreteren Projektidee konnten wir als Projektteam loslegen. Als es darum ging, den verantwortlichen Projektleiter zu benennen, wurde ich von der Regionalgruppe vorgeschlagen und freute mich sehr diese Aufgabe zu übernehmen.

Welchen Sinn hat denn die Erkundung? Könnte man nicht direkt ein Projekt umsetzen, wenn es offensichtlich einen Bedarf zur technischen Unterstützung gibt?

Bevor Ingenieure ohne Grenzen e.V. ein Projekt durchführt, wird akribisch geprüft, was das Projektziel und die gewünschte Wirkung für die Beteiligten vor Ort ist und ob wir dies erreichen können. Erst dann erfolgt eine Erkundung vor Ort. Hintergrund ist, dass für die Projekte Spendengelder eingeworben werden und diese nachhaltig und sinnvoll investiert werden sollen. In Zusammenarbeit mit der Bevölkerung vor Ort wollen wir einen Beitrag dazu leisten, langfristig die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern. Die Erkundungsreise ermöglicht es, eine fundierte Entscheidung dazu zu treffen, ob ein Projekt erfolgreich umgesetzt und im Anschluss von den Begünstigten selbstständig weitergeführt werden kann. Auch liegen die Kosten für eine Erkundung weit unter den Gesamtkosten eines Projekts. So stellt die Erkundung eine Form der Qualitätssicherung dar.

Wir erstellten innerhalb der Projektgruppe also verschiedenste Dokumente, in denen wir darlegten, wie unser Projekt nachhaltig die Bildung der Kinder verbessern soll. Nach eingehender Prüfung der von uns eingereichten Unterlagen und Berechnungen für die Erkundungsreise haben wir im April 2018 das "Go" unserer Geschäftsstelle erhalten.

Das heißt der Start des Projekts liegt jetzt 7 Monate zurück. Woran liegt es denn, dass das Erkundungsteam noch immer nicht in Bangladesch war?

Eigentlich lief alles gut, wir trafen uns mit NETZ Bangladesch, führten regelmäßige Telefonate mit den beteiligten Personen und hielten unser Vorhaben schriftlich in einem Memorandum of Understanding fest. Wir planten unsere Ausreise nach Bangladesch für September 2018.
Doch dann wurden Wahlen angekündigt. NETZ riet uns eindringlich, bis zum Wahltermin nicht einzureisen. Unsere Sicherheit könne nicht gewährleistet werden und es sei nicht abzusehen, ob es im Vorfeld der Parlamentswahlen Unruhen geben würde.

Ich musste mich also damit abfinden, denn Sicherheit geht immer vor. Nun braucht es einen langen Atem, den ich zum Glück habe. Bis heute gibt es keinen verlässlichen Wahltermin. Ich bin aber überzeugt:  Die Wahl wird zu einem guten Ende kommen, wir werden 2019 auf Erkundungsreise gehen und in einigen Jahren glücklichen Kindern und zufriedenen Lehren gegenüberstehen, die sich freuen im Sommer Ventilatoren zu haben ein Viertel mehr Kinder unterrichten zu können, weil die Klassenräume auch in den Abendstunden nutzbar sind.

Vielen Dank für das Gespräch - wir wünschen Dir und dem gesamten Team alles Gute für die weitere Planung und dann ebenfalls vor Ort in Bangladesch!

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