Kenia: Schultoilettenbau in Ukunda

02.02.2017 // 15:37

Kenia: Schultoilettenbau in Ukunda

Nicht ohne Stolz blickt die Regionalgruppe Aachen auf ihr erstes großes Projekt zurück. Das Anfang 2009 in Planung gegangene Vorhaben zur Verbesserung der Sanitärsituation der Kinder und Schüler/-innen des DARAD Ausbildungszentrums in Ukunda, Kenia konnte im Frühjahr des Jahres 2011 realisiert werden. 


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Ukunda, Kenia
  • Zielgruppe: Kinder und Schüler/-innen des DARAD Ausbildungszentrums in Ukunda
  • Zeitraum: 12/2009 bis 05/2011
  • Partnerorganisation:  Lebensblume e.V., und deren Partnerorganisation „DARAD EDUCATION-CENTER“ mit der „DARAD MONTESSORI ACADEMY“
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Wir erinnern uns zurück an die prekäre Sanitärsituation des Ausbildungszentrums. Die über 200 Toilettenbenutzer/-innen (Schüler, Lehrer und andere Beschäftigte) mussten sich 4 Plumpsklos teilen. Die Latrinen befanden sich in unmittelbarer Nähe zu dem schuleigenen Brunnen, der die Schule mit Wasser versorgt. Dieser wird aus einem Grundwasserleiter in etwa 10 Meter Tiefe gespeist. Die Gefahr der Kontaminierung des Wassers durch die versickernden Fäkalien war enorm und die Problematik wäre durch die geplante Erweiterung der Schule weiter verschärft worden. Es bestand dringender Handlungsbedarf.

Projektbeschreibung

Die vorhandenen Latrinen wurden durch Trenntoiletten ersetzt, die mit dem Doppelkammerprinzip arbeiten. Der Sanitärkomplex besteht aus einem Modul mit 4 Toiletten für die Mädchen, einem Modul mit 3 Toiletten plus 3 Urinale für die Jungen und einer separaten Toilette für körperlich beeinträchtigte Personen.
In Trenntoiletten werden die menschlichen Ausscheidungen getrennt und zur Hygienisierung isoliert gespeichert. Ziel ist die Eindämmung der Verbreitung von Durchfall-, Wurm- und Augenkrankheiten. Zusätzlich wird die Ressource Wasser geschont, da die Toiletten ohne Spülwasser auskommen und das Regenwasser vom Dach zum Händewaschen genutzt werden kann.
Gegenüber den bisher verbreiteten Trenntoilettensystemen bietet diese Konstruktion den Vorteil, dass das System über eine zentrale Urinspeicherung verfügt. Es entfällt das tägliche Wechseln der Sammelkanister. Die vier 1 Kubikmeter großen Tanks werden abwechselnd befüllt und sind so dimensioniert, dass jeder volle Tank mindestens einen Monat ruhen kann. In dieser Zeit hygienisiert der Urin und der enthaltene, für Pflanzen nicht verwertbare Harnstoff, wird in verwertbaren Stickstoff umgewandelt. Der nach sechsmonatiger Lagerung hygienisierte Kot ist frei von pathogenen Keimen und Viren und kann als Bodenverbesserer genutzt werden. In Zukunft soll der sterile Urin für den Schulgarten genutzt und als wettbewerbsfähige Alternative zum Kunstdünger an benachbarte Farmer verkauft werden.

Die Implementierung und der Bau der Toiletten am Anfang dieses Jahres dauerten, unter anderem aufgrund verzögerter Baugenehmigung, knapp 3 Monate. Außerdem hat uns das Auslesen unserer Bankkarten und das Stehlen eines nicht unerheblichen Betrages zu schaffen gemacht, bis uns das Geld von der Bank ersetzt wurde.
In der Planung haben wir uns für eine mörtelfreie Bauweise des Kabinenaufbaus mit sogenannten Eco-Blocks entschieden, um ein leichtes Nachbauen ohne Maurerausbildung zu ermöglichen. Allerdings war dadurch der Zeitaufwand unangemessen größer, da wesentlich genauer gearbeitet werden musste. Darüber hinaus hat diese Bauvariante aufgrund geringer Robustheit und Qualität enttäuscht, so dass wir ähnlichen Projekten von dieser Lösung abraten werden.

Doch trotz einiger Rückschläge ist es uns durch die Einbeziehung aller direkt Beteiligten wie Lehrer, Schüler, Eltern und Bauunternehmer gelungen eine hohe Akzeptanz des Projektes zu schaffen. Darüber hinaus konnten wir durch den Aufbau und die Pflege von Kontakten zu anderen Interessierten, z.B. andere Schulen, NGOs und örtlicher Ministerien, ein breites Netzwerk aus Interessenten, Befürwortern und Unterstützern aufbauen.
Neben der technischen Realisierung ist die Sensibilisierung und Aufklärung der Menschen über die Hygienesituation und die möglichen Konsequenzen von Anfang an von höchster Priorität gewesen. Durch den Einfluss der Thematik in den Unterricht wird auch zukünftig dafür Sorge getragen, dass dieser wichtige Bildungszuwachs erhalten bleibt.
Durch Schulungen konnte Interessenten das nötige Wissen vermittelt werden, Trenntoiletten in Eigeninitiative zu bauen. Für die Umsetzung der Nachfolgerprojekte steht die Regionalgruppe Aachen mit technischer Beratung zur Seite. Um die Nachhaltigkeit zu garantieren, werden im folgenden Evaluierungsprozess noch Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert und zukünftig umgesetzt werden.

Wer sich für Eindrücke der Bauphase aus erster Hand interessiert, ist herzlich eingeladen im Kenia-Blog vorbeizuschauen!

Wir bedanken uns bei allen Spendern, ehrenamtlichen Helfern und sonstigen Unterstützern, die die Umsetzung dieser Idee möglich gemacht haben. Mit eurer Hilfe konnten wir bedürftige Menschen unterstützen und sie ermutigen, ihre Lebensumstände positiv zu beeinflussen. Unterstützt uns weiterhin dabei Menschen zu helfen, die den Mut haben neue Wege zu gehen und sich ihren Problemen anzunehmen!