ZWE-IOG01

02.02.2017 // 15:37

Simbabwe: Energieversorgung für eine Bildungseinrichtung

Simbabwe liegt im südlichen Afrika zwischen Sambia, Botswana, Südafrika und Mosambik. Die Bevölkerung hat unter der schlechten wirtschaftlichen Lage des Landes sehr zu leiden. Das Bildungssystem ist beinahe vollständig zusammengebrochen. Die Versorgung mit Strom und sauberem Wasser ist flächendeckend nicht gesichert. Simbabwes Infrastruktur liegt brach. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Initiativen und Hilfsorganisationen im In- und Ausland gegründet, um die Lebensbedingungen der Menschen in Simbabwe zu verbessern. Dazu gehören auch die Shingirai Trust und das Glen Forest  Development Centre. Sie unterstützen unter anderem Kinder, AIDS-Waisen, Jugendliche und Frauen. Beide Organisationen wurden zunächst nur wenige Stunden pro Woche mit Strom versorgt. Da nur elektrisch betriebene Pumpen die Wasserversorgung ermöglichten, fiel diese zuvor häufig aus. Ingenieure ohne Grenzen wollte diese Situation nachhaltig ändern.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Harare, Simbabwe
  • Zielgruppe: Schüler und Schülerinnen der Bildungseinrichtungen Shingirirai Trust und Glen Forest Development Centre
  • Zeitraum: 10/2010 bis 05/2012
  • Partnerorganisation: ZimRelief e.V
  • Projektvolumen: ca. 25.000 Euro
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Simbabwe liegt im südlichen Afrika zwischen Sambia, Botswana, Südafrika und Mosambik. Das Regime Robert Mugabes hat das Land in den letzten Jahren herunter gewirtschaftet. Unter der schlechten wirtschaftlichen Lage leidet vor allem die Bevölkerung. Die Arbeitslosenquote liegt bei über 80%, die Lebenserwartung liegt im Durchschnitt bei 47 Jahren und die HIV/Aids-Rate bei über 20%. Das Bildungssystem ist beinahe vollständig zusammengebrochen. Die Versorgung mit Strom und Trinkwasser ist flächendeckend nicht gesichert. Simbabwes Infrastruktur liegt brach.

Shingirirai Trust  und das Glen Forest Development Centre  sind zwei soziale Organisationen, die aus privaten Initiativen von Simbabwern zu Bildungseinrichtungen gewachsen sind. Beide Organisationen sind in den Outskirts der Hauptstadt Harare tätig. Das Angebot richtet sich an benachteiligte Kinder (vor allem Aids-Waisen), Jugendliche und Frauen. Beide Organisationen bieten auch regelmäßig Workshops zu Themen wie HIV/Aids, Hygiene, Erste Hilfe etc. an.

Beide Organisationen sind an das marode Stromnetz angeschlossen - Strom gibt es nur in unregelmäßigen Abständen. Oft werden die Randbezirke Harares nur nachts mit Strom versorgt, manchmal dauern die Stromausfälle mehrere Tage bis hin zu zwei Wochen an. Prognosen für die Zukunft sagen sogar noch eine Verschlechterung der Situation voraus. Wegen der mangelhaften Stromversorgung müssen die Aktivitäten der Organisationen häufig abgebrochen und auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Die Koordinatoren legen dann nächtliche Zusatzschichten ein, wenn gerade Strom für die Arbeiten am Computer verfügbar ist.

Die Pumpe für die Wasserversorgung des Glen Forest Development Centre wurde während der politischen Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen 2008 gestohlen. Wasser wird dort als Trinkwaser, in der Küche und den sanitären Einrichtungen benötigt. Seitdem wird Glen Forest aus einer nahegelegenen Krankenstation mit Wasser versorgt, die aber durch die häufigen Stromausfälle selber auch nicht immer genug zur Verfügung hat. Immer häufiger muss Wasser in Kanistern herangeschafft werden. 

Projektbeschreibung

Ziel dieses Projektes ist es, den zwei sozialen Bildungseinrichtungen das Glen Forest Development Centre und Shingirirai Trust eine zuverlässige Strom- und Wasserversorgung zu ermöglichen. Die Photovoltaik-Anlage mit Batteriespeicher soll die teilweise tagelangen Stromausfälle überbrücken und eine Grundversorgung der wichtigsten elektrischen Verbraucher gewährleisten. Zur Wiederherstellung der Wasserversorgung im das Glen Forest Development Centre soll eine neue Wasserpumpe installiert werden, die wenn notwendig auch von der PV-Anlage versorgt werden kann.

Durch diese sichere und unabhängige Energie- und Wasserversorgung möchten wir beiden Organisationen ermöglichen, nicht nur effektiver und regelmäßiger ihren Basisaktivitäten nachzugehen, sondern auch zeitliche Ressourcen frei zusetzen, um sich ihrem eigentlichen sozialen Auftrag, nämlich der Aufklärung, Vermittlung von Bildung und dem Angebot einkommensgenerierender Tätigkeiten zu widmen und dadurch einen substantiellen Beitrag zur Festigung der simbabwischen Zivilgesellschaft zu leisten.

Neben einer schonenden Ressourcenbewirtschaftung wollen wir durch einkommensgenerierende Maßnahmen, die das Potenzial einer sicheren Strom- und Wasserversorgung ausschöpfen, dafür sorgen, dass für die Einrichtungen keine zusätzliche finanzielle Abhängigkeit entsteht. Dies und eine intensive Schulung der Verantwortlichen sollen den langfristigen Erhalt der Anlage sichern.

Umsetzung:

Nachdem die Vorerkundung im März 2011 erfolgreich durchgeführt, alle wichtigen Parameter vor Ort erhoben und die Konzepte zusammen mit dem Projektpartner bewertet wurden, konnten wir die anschließende Detailplanung- und auslegung bald abschließen und im Mai 2012 zur Durchführung nach Simbabwe reisen. Unter den durchführenden Ingenieuren befanden sich insgesamt vier Mitglieder aus der Regionalgruppe, Clemens Brauer, Sebastian Nuber, Philipp Leube und Jonas Koch. In dieser Zusammensetzung konnten wir uns optimal auf die Komponenten Wasserversorgung und Nachhaltigkeit (Jonas und Philipp), Stromversorgung und Elektrik (Clemens und Sebastian) sowie Gesamtleitung (Clemens) aufteilen.

Zusammen mit unseren beiden Projektpartnern haben wir innerhalb von 6 Wochen beide Einrichtungen mit einer Photovoltaik Anlage ausgerüstet. Über einen Wechselrichter können beide Einrichtungen sowohl mit Solarstrom als auch Netzstrom versorgt werden. Ein Batterie-Backup System sorgt für Überbrückung von Netz- oder Solarengpässen. Außerdem wurde die Photovoltaik Anlage wurde so dimensioniert, dass nur Verbraucher die für das Funktionieren der Einrichtung erforderlich sind, eigenständig mit Solarstrom versorgt werden können. Zusätzliche Verbraucher (z. B. stromintensive Geräte) können nur betrieben werden wenn Netzstrom vorhanden ist.

Zur Wiederherstellung der Wasserversorgung im das Glen Forest Development Centre  wurde der Brunnen mit einer neuen Pumpe ausgerüstet. Die Leistung der Pumpe wurde so gewählt, dass ein Wassertank in den wenigen Netzstromstunden befüllt werden kann. Fällt Netzstrom länger aus (z.B. eine Woche) kann die Pumpe im Notbetrieb über die Photovoltaik Anlage betrieben werden. Die Pumpe eines befreundeten Farmers welcher kurz vor unserer Ankunft in Eigenregie als Übergangslösung installiert wurden konnten wir in einer benachbarten Krankenstation installieren. Dies war von uns in dieser Form anfänglich nicht geplant, führte aber in der mit den Projektpartnern abgestimmten und von uns umgesetzten Variante zu einer insgesamt größeren Versorgungssicherheit für beide Einrichtungen, das das Glen Forest Development Centre  und die Krankenstation.

Um die notwendigen Rücklagen für zukünftige Wartungen und Reparaturen der von uns installierten Anlagen aufzubringen, haben wir zusammen mit unseren Projektpartner einkommensgenerierende Maßnahmen erarbeitet. In Shingirirai Trust haben wir ein Konzept für eine Abtipp- und Kopierservice erarbeitet und dafür z.B. einfache wiederbefüllbare Druckerkartuschen aus Deutschland installiert. Als weitere Maßnahme haben wir für beide Einrichtungen wieder aufladbare Solarlampen aus Deutschland mitgebracht, welche gegen eine geringe Gebühr entliehen werden können. Für das das Glen Forest Development Centre kam zusätzlich der Vorschlag eine kleinere Hühnerfarm aufzubauen. Die dafür notwendigen Vorbereitungen hat der Projektpartner bereits bei unserer Ankunft getroffen. Alle Maßnahmen wurden in einem schriftlichen nicht-bindenden Abkommen festgehalten. Rücklagen sollen eigenverantwortlich verwaltet werden. Aufgrund von zeitlichen Engpässen am Ende unseres Aufenthalts konnten die Umsetzung nicht aller Maßnahmen durchgeführt und deren Funktionieren getestet werden.

Die Schulung an alle Anlagen wurde von uns noch während unseres Aufenthalts vorgenommen. Für beide Komponenten, die Wasser- und die Stromversorgung wurden Betriebsanleitungen und Betriebstagebücher erstellt und dem Projektpartner ausgehändigt. Außerdem haben wir die Verantwortung und Zuständigkeiten für alle Anlagen schriftlich festgehalten. Zusätzlich zur technischen Schulung wurde in den Unterricht des das Glen Forest Development Centre ein Unterrichtsmodul über erneuerbare Energien eingebaut. Die dafür notwendigen Konzepte und Unterlagen wurden in Deutschland vorbereitet und von uns im Unterricht umgesetzt.

Aktueller Stand:

Seit Mai 2012 läuft die Strom- und Wasserversorgung ohne uns bekannte Probleme. Im Februar 2013 reisten Clemens Brauer und Bastian Mögele vom Projektpartner ZimRelief e.V. zu einer ersten Evaluierung der Projekte nach Harare. Dabei haben sie beide Anlagen zur Stromversorgung, als auch zur Wasserversorgung in einem technischen einwandfreien Zustand vorgefunden. Auch die Projektpartner berichteten von einem reibungslosen Betrieb.

Weiter konnte eine letzte technische Nachbesserungsmaßnahme vorgenommen werden. Der Hauptstromanschluss vom Glen Forest Development Centre , welcher bereits seit längerem nur als Provisorium mit Einschränkungen funktionierte, konnte von einer lokalen Fachkraft ersetzt werden.

Hinsichtlich der von der uns erdachten Nachhaltigkeitsmaßnahmen gibt es noch Anlaufschwierigkeiten. Auch dies war ein Schwerpunkt der Evaluierung, da wir die Konzepte während unserer Durchführung nicht in vollem Umfang umsetzen konnten.