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07.05.2019 // 12:53

Sierra Leone: Solarstrom für eine Berufsschule in Kamakwie

Die Münchner Gruppe der Ingenieure ohne Grenzen plante in der Ortschaft Kamakwie in Sierra Leone das Sella Vocational Centre durch eine Photovoltaikanlage mit Strom zu versorgen. Die Anlage würde im Februar 2011 installiert und läuft seitdem problemlos. Wir danken allen Spendern für die Unterstützung dieses Projektes.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Kamakwie, Sierra Leone
  • Zielgruppe: Schüler und Schülerinnen der Berufsschule
  • Zeitraum: 12/2009 bis 12/2012
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Sierra Leone ist eines der ärmsten Länder der Welt. Aufgrund der wachsenden Armut findet vermehrt eine Landflucht der jüngeren Bevölkerung statt. Viele wandern von den ländlichen Regionen in die Städte ab, vornehmlich in die Hauptstadt Freetown. Die Lebensbedingungen sind dort oft nicht besser. Diese Tatsache soll durch Entwicklungsmöglichkeiten für die junge Bevölkerung in den ländlichen Gebieten verändert und damit auch dem Wachstum von Slums entgegengewirkt werden.

In der Ortschaft Kamawkie, 150 km nordöstlich der Hauptstadt Freetown, liegt das Ausbildungszentrum Sella Vocational Centre. Hier werden ca. 180 Schüler in praktischen Tätigkeiten wie unter anderem in Holzverarbeitung, Mauern, Weben, Nähen und Kerzenherstellung ausgebildet.

Drei Mitglieder der Münchener Ingenieure ohne Grenzen haben im Frühjahr 2009 Kamakwie besucht und mit der Schulleitung des Sella Vocational Centre zusammen ein Konzept zur Verbesserung der Ausbildungsbedingungen entwickelt. Demnach soll eine Photovoltaikanlage aufgebaut werden, mit der die Schule in Zukunft mit Strom versorgt werden kann.

Projektbeschreibung

Folgende Ziele sollen durch die Stromversorgung erreicht werden:

Ein kleines „IT-Department“ ist eine der Auflagen, um die bisherigen Ausbildungsrichtungen nach den offiziellen Richtlinien des NCTVA abzuhalten. Dies wollen wir ermöglichen. Dadurch erhalten die Schüler einen landesweit anerkannten und standardisierten Abschluss, der ihnen weitere Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten eröffnet.
Durch die Computer kann (nach den Richtlinien des NCTVA) auch das Lehrangebot der Schule erweitert und beispielsweise Kurse wie „Computer Studies“ angeboten werden.
Des Weiteren können die Schüler anhand von uns erstellter Kursunterlagen den Umgang mit dieser für sie meist noch fremden Technologie erlernen und über das Internet Zugang zu freien und fast unbegrenzten Informationen (wie Gesetze, Regelungen, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, Politik, Anleitungen, ...) erlangen.
Durch elektrisches Licht in den Klassenräumen soll auch berufstätigen Erwachsenen die Möglichkeit gegeben werden sich abends weiterzubilden. Die Schule kann so zu einem allgemeinen Zentrum für Aus- und Weiterbildung werden.
Die Lehrer und Schüler sollen vor dem Aufbau der Anlage intensiv über die bevorstehenden Schritte geschult werden und dann aktiv an der Installation teilnehmen. Dadurch wird zum einen ein sehr gutes Verständnis geschaffen, das den selbstständigen Betrieb und Wartung ermöglicht, und zum anderen wird ein persönlicher Bezug zur Anlage hergestellt.

Um das Projekt möglichst nachhaltig zu gestalten und für zukünftige Wartungs- und Reparaturkosten aufkommen zu können, müssen Rücklagen gebildet werden. Durch die sinnvolle Nutzung der Anlage sollen die anfallenden Kosten gedeckt werden. Dazu zählen Nutzungsmöglichkeiten wie beispielsweise das Laden von Handys oder die entgeltliche Internetnutzung, durch welche die Nachhaltigkeit des Projekts gesichert werden soll.

Abschlussbericht des Projekts - eine Erlebniserzählung:

Am Freitag, den 18. Februar 2011, ging für uns drei jungen Ingenieure (Jakob Schneegans, Johannes Englsberger und Sebastian Freund) der Regionalgruppe München des Vereins Ingenieure ohne Grenzen e.V. (INGOG) die Reise zum Projekteinsatz in Sierra Leone los. Ziel des Projektes war die Versorgung einer Berufsschule (des Sella Vocational Centers (SVC)) in Kamakwie (Sierra Leone) mit Solarstrom, Licht und einem internetfähigen Computerraum. Dazu sollten zwei baugleiche (Redundanz) Solaranlagen mit jeweils 850 Watt Leistung installiert werden.

Nach unserer Ankunft am Flughafen von Freetown, durften wir  bei der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos (Pater Sergej) übernachten. Am nächsten Tag fuhren wir mit der Fähre nach Freetown, kamen wiederum bei der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos unter und fuhren zum Aklimatisieren ersteinmal an einen wunderschönen Strand. Dort haben wir dann eine Nacht verbracht. Am nächsten Tag gingen wir für das Projekt einkaufen und organisierten den Transport nach Kamakwie. Tags drauf ging es dann los nach Kamakwie. Auf der Fahrt machten wir einen Zwischenstop, um uns im Krankenhaus von Lunsar das Projekt einer befreundeten NGO (Globolab) anzusehen. Abends kamen wir dann in Kamakwie an. Am nächsten Tag – es war mittlerweile Dienstag – gab es dann ein Kennenlernen mit den Lehrern des SVC und der Projektablauf wurde grob besprochen.  Am nächsten Tag fuhr Johannes mit Brima, dem „Dorf-Ingenieur“ Kamakwies und Technologie-Lehrer am SVC, nach Makeni, um Stahlprofile und Schrauben für das Solarpanel-Montagegestell zu besorgen. Parallel wurden die Schüler von Jakob und Sebastian in Grundlagen der Elektrotechnik geschult. Außerdem wurde der eigens für das Projekt gebaute Solarkoffer (enthält alle Komponenten der Solaranlage) vorgestellt.

An den nächsten Tagen wurden dann die Solarpanel-Montagegestelle geschweißt, während parallel Schulungen der Schüler in Grundlagen der Photovoltaik und Solaranlagentechnik stattfanden. Schließlich wurden die Gestelle und Solarpanels auf dem Dach der Schule montiert. Der Zusammenbau der Elektronik für die erste Solaranlage wurde den ausgewählten Lehrern des SVC durch die INGOGs noch vorgeführt, während die zweite Solaranlagenelektronik durch die Lehrer selbstständig aufgebaut wurde. Nachdem die Solarkabel erfolgreich vom Dach zum Schaltschrank verlegt worden waren, konnte das erste Mal testweise eine Lampe in Betrieb genommen werden – ein historischer Moment für die Schule.

In den darauf folgenden Tagen haben wir die Schule dann gemeinsam mit den Lehrern verkabelt (Steckdosen und Lichter) und eine Alarmanlage aufgebaut, die die Solarpanels vor Diebstahl schützen soll. Nachdem wir den Computerraum und die Laptops eingerichtet und eine Internetverbindung über Mobilfunk hergestellt hatten, haben wir die ersten Schulungen in IT-Grundlagen für die Lehrer durchgeführt. Nach zweieinhalb Wochen ist Sebastian dann nach Hause gereist (Urlaub ausgeschöpft J ). Johannes und Jakob führten dann weiterführende IT-Schulungen für die Lehrer und eine Administratorschulung für den zukünftigen IT-Lehrer (Systemwiederherstellung, Bedienung sämtlicher Hardware…) durch.

Während der gesamten Zeit in Kamakwie hatten wir im Gästehaus des Krankenhauses übernachtet und waren von Karen und Tom Asher, den extrem liebens- und ehrenswerten amerikanischen Ärzten des Krankenhauses, mit Frühstück und Mittagessen versorgt worden, während wir abends von Lehrern bekocht wurden. Nach dem Abschied von allen neuen Freunden und Bekannten in Kamakwie besuchten sie dann noch die Bible-School in Gbendembu, welche auch Bedarf für eine solare Stromversorung hätte.

Nach zwei weiteren Nächten bei der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos in Freetown und Einkäufen für das SVC (Energiesparlampen…) fuhren Johannes und Jakob dann gemeinsam mit Martin Brehm (einem seit einigen Jahren in Sierra Leone lebenden Deutschen) noch für einen Tag auf Banana Island. Ein Erholungstag am Strand mit Schnorcheln nach dem erfolgreichen Projekt um die arbeitsame Reise ausklingen zu lassen. Nach einer weiteren Nacht bei bei der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos in Lunghi ging es dann auch für Jakob und Johannes wieder nach Hause.

Unsere drei Ingenieure Johannes, Jakob und Sebastian mit den Verantwortlichen der Schule

Sebastian, Jakob und Johannes auf dem Dach.

Aktueller Status Januar 2012

Die von uns geplante und gebaute Anlage funktioniert ohne Probleme. Computer und Internet laufen und ermöglichen somit den Zugang zu "unbegrenztem" Wissen. Die Bereitstellung des Druckers erweist sich als sehr gute Einnahmequelle für die Schule. Durch die große Nachfrage wurde mittlerweile aus eigenen Mitteln ein Laserdrucker angeschafft. Wir sind zuversichtlich, dass die Schule somit auf lange Sicht für den Unterhalt der Solaranlage aufkommen kann.

Dieses Projekt wurde erfolgreich abgeschlossen. Wir bedanken uns bei allen Menschen, die uns mit ihrer Mitarbeit und ihren Spenden unterstützt haben, um dieses Projekt zu realisieren.