RWA-IOG14

02.02.2017 // 15:37

Ruanda: Wer kritisch zurück blickt, lernt für die Zukunft

Das Projekt dient der Situationsanalyse in Ruanda und soll den Einblick in lokale Strukturen und Denkweisen gewährleisten. Weiterhin wird ein Konzept erarbeitet, das die Nachhaltigkeit aller Projekte verbessern soll.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Kigali, Ruanda
  • Zielgruppe: Bevölkerung Ruandas
  • Zeitraum: 05/2014 bis 10/2014
  • Partnerorganisation: Kigali Institute of Science and Technology (KIST); Bridges to Prosperity Integrated Polytechnic Regional Centre (IPRC)
  • Projektvolumen: ca. 4.000 Euro
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Ruanda ist ein kleiner Binnenstaat in Ostafrika und mit einer Fläche von gerade mal 26.000 km² kleiner als Belgien. Aufgrund der hohen Bevölkerungszahl ist Ruanda das am zweit-dichtesten besiedelte Land Afrikas. Ruanda, auch das Land der Tausend Hügel genannt, wird von zahlreichen kleinen, als auch großen, reißenden Flüssen durchzogen. Infrastruktur, insbesondere Brücken, gibt es nur in der Hauptstadt Kigali. In ländlichen Regionen gibt es, wenn überhaupt, gefällte Baumstämme die von einer zur anderen Flussseite reichen und den Menschen die Überquerung des Flusses ermöglichen. Manche Regionen haben nicht mal diese einfachen Holzbalkenkonstruktionen und die Menschen waten durch den Fluss zur anderen Seite. Im schlimmsten Fall ist der Fluss so breit und tief, dass die Menschen einen Umweg über mehrere Kilometer zu einer passierbaren Stelle des Flusses in Kauf nehmen müssen, um Infrastrukturen wie Schulen, Märkte, Kirchen oder Krankenhäuser auf der anderen Seite erreichen zu können.
Der Zugang zu diesen wichtigen Infrastrukturen betrifft alle, ob jung oder alt, Frau oder Mann. Die derzeitige Situation schränkt die Menschen in ihrer Lebensqualität stark ein. Eine einfache Fußgängerbrücke, wie wir sie nahezu an jedem Fluss in Deutschland kennen, kann diese Situation schnell verbessern. 

Seit mehreren Jahren ist die Kompetenzgruppe Brücken- und Hochbau von Ingenieure ohne Grenzen (IoG) mit verschiedenen Projekten in Ruanda aktiv. Ziel ist es der Bevölkerung Ruandas durch den Bau von Fußgängerbrücken in ländlichen Regionen zu helfen und die Entwicklungszusammenarbeit im Bereich des Wissenstransfers durch gezielte Schulungen zu erweitern, zum Beispiel durch Brückenbauseminare am Kigali Institute of Science and Technology (KIST). Durch den Bau von Fußgängerbrücken und der Vermittlung von technischem Know-How kann der lokalen Bevölkerung der Zugang zu wichtigen Infrastrukturen wie Märkten, Schulen und Krankenhäusern gewährleistet werden.

Seit 2010 werden jährlich ruandische Studenten in einem zwei Wöchigen Seminar am KIST von Mitgliedern der KG im Bereich Fußgängerbrückenbau geschult. Des Weiteren werden  die Studenten  und die lokale Bevölkerung in den Bau der Fußgängerbrücken selber involviert. Auf diesem Wege soll das Wissen der deutschen Ingenieure an die ruandische Bevölkerung weiter gegeben werden, um so die Arbeit von IoG nachhaltig zu gestalten. Trotz Wissenstransfer und Einbezug der Bevölkerung in den Bau der Brücken werden nach dem Abschluss des Projektes die Brücken nicht ausreichend gewartet und instand gehalten. Folge ist der schrittweise Zerfall der Brücken bis zum Verlust der statischen Tragfähigkeit. Die Brücken sind in ihrer Nutzung nicht mehr sicher, was zu Unfällen an der Brücke führt.

Die Ausbildung der Studenten und der Wissenstransfer  durch IoG orientieren sich oft an dem Vorgehen und der eigenen Erfahrung aus den Industrieländern. Auch der Bedarf und die Notwendigkeit von Brücken werden oftmals an eigenen Vorstellungen ausgemacht, da teilweise notwendige Informationen über Ruanda und die ruandischen Bevölkerung fehlen. Spezifische Problemlösungen und besondere Charakteristika von Entwicklungsländern und deren Bewohnern bleiben teilweise noch unbeachtet, was vor allem an einem starken Informationsmangel liegt. Verschiedene Einflussfaktoren sind daher zum jetzigen Zeitpunkt noch unbekannt oder finden nur unzureichende Berücksichtigung innerhalb der Projektarbeit. Unter anderem können unzureichende Informationen bezüglich der betroffenen Zielgruppe, deren Motivation und Know-How, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, finanzielle Möglichkeiten, Bedarf- und Notwendigkeit, der Stand der Fähigkeiten der lokalen Ingenieure, Existenz von operierenden Firmen und deren Organisationsstrukturen die Nachhaltigkeit der durchgeführten Projekte gefährden.

Projektbeschreibung

Um dem entgegen zu wirken soll im Rahmen einer Forschungsarbeit die Probleme und Gründe identifiziert und analysiert werden, welche einer nachhaltigen Projektimplementierung potentiell im Wege stehen können. Innerhalb der Arbeit werden mögliche Einflussfaktoren auf die Problematik und darauf basierende Theorien genannt. Innerhalb einer Situationsanalyse werden Betroffene, Probleme und Potenziale, das Umfeld, Risiken und Annahmen und Verantwortlichkeiten in Ruanda genauer empirisch untersucht. Mittels Interviews werden Betroffene und allgemein in die Projekte Involvierte von IoG, anderen NGO’s, Universitäten, Baufirmen, Regierungsorganisationen etc. zu dem Thema befragt. Die Interessen und Ansichten der lokalen Bevölkerung sollen mittels Participatory Appraisal (PRA) näher untersucht werden.

Ziel ist Evaluierung der bisherigen Arbeit der Kompetenzgruppe Brücken- und Hochbau in Ruanda. Bisherige Erfahrungen durch bereits durchgeführte Projekte sollen aufgedeckt und analysiert werden, ebenso die Erfahrung der Partnerorganisationen und anderer Beteiligter. Anschließend werden die gesammelten Informationen ausgewertet und ein Konzept für zukünftige Projekte von IoG in Ruanda herausgearbeitet.

Die Arbeit soll dem Leser einen tieferen Einblick in die vorherrschende Situation in Ruanda ermöglichen und einen ersten Lösungsvorschlag zur nachhaltigen Projektdurchführung liefern. Das erarbeitete Konzept dient lediglich als Grundlage für eine weitere Ausarbeitung seitens IoG in Zusammenarbeit mit den ruandischen Zuständigkeiten. Die Arbeit fokussiert folglich auf die Evaluierung und Benennung bestehender Probleme.