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02.02.2017 // 15:37

Nicaragua: Sonnenstrom für Los Guatuzos

Nach erfolgreicher Erkundungsreise im Dezember 2012 konnten mit Unterstützung der Ingenieure ohne Grenzen sieben Schulen und ein Gesundheitszentrum in der von Armut geprägten Region Los Guatuzos, nahe San Carlos, mit Strom versorgt werden. 


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Los Guatuzos, Nicaragua
  • Zielgruppe: Bevölkerung der Region Los Guatuzos, Nicaragua
  • Zeitraum: 07/2012 bis 12/2013
  • Partnerorganisation: Los comités de padres de familia
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Das Projektgebiet befindet sich in der Region Los Guatuzos südwestlich von San Carlos und ist nur mit dem Boot erreichbar. Die Region ist Grenzgebiet nach Costa Rica und es gibt bisher keinen Zugang zum öffentlichen Stromnetz und durch die abgelegene Lage und die Grenznähe ist in naher Zukunft auch nicht mit einem Anschluss zu rechnen.

Projektbeschreibung

Nach erfolgreicher Erkundungsreise im Dezember 2012 nehmen die Pläne der Ingenieure ohne Grenzen, Regionalgruppe Nürnberg, konkrete Züge an. Sieben Schulen und ein Gesundheitszentrum in der von Armut geprägten Region Los Guatuzos, nahe San Carlos, sollen eine Stromversorgung erhalten.

Dieses Projekt wurde im November 2013 erfolgreich abgeschlossen. Einen aktuellen Bericht finden Sie hier .

In dieser Region gibt es bisher keine Anbindung an die öffentliche Stromversorgung und diese ist in der nächsten Zeit auch nicht zu erwarten.

Die solarbetriebene Beleuchtung soll in Zukunft Erwachsenenbildung ermöglichen, da diese erst nach Arbeitsende, also in den späten Abendstunden, stattfinden kann. Der Unterricht für Kinder wird zudem durch Radiorecorder aufgewertet werden, die besonders den Sprach- und Musikunterricht unterstützen werden. Ein weiteres wichtiges Thema in der Region sind Mobiltelefone. Diese stellen die einzige Kommunikationsmöglichkeit bei sehr weiten Entfernungen zwischen den Dörfern dar und sind z.B. wichtige Grundlage bei der Arbeitssuche. Sowohl Mobiltelefone als auch Taschenlampenbatterien sollen zukünftig gegen eine Gebühr an den Schulen geladen werden. Durch dieses Geschäftsmodell kann die Schule Einnahmen für spätere Reparaturen oder für Lehrmittel generieren und dies soll zu einer Identifikation der Bewohner mit der Solaranlage führen und deren Erhalt sicherstellen.

Um die medizinische Versorgung in der Region zu verbessern, gibt es ein Gesundheitszentrum, dessen Kühlanlage für Medikamente und Impfstoffe jedoch defekt ist. Die Reparatur der vorhandenen Solaranlage und u.U. die Beschaffung eines neuen Medikamentenkühlschrankes sind wichtige Bestandteile des Projektes.

Im Rahmen der Erkundung stellte sich heraus, dass einige Schulen bereits über eine kleine Solarstromanlage verfügen, die jedoch alle nicht mehr funktionieren. Grund hierfür war die falsche Bedienung der Anlagen und fehlende Wartung. Deswegen wird bei diesem Projekt der Schwerpunkt auf Schulung und die Beteiligung der Menschen vor Ort liegen. Es werden pro Schule lokale Verantwortliche gezielt durch unsere Ingenieure geschult und müssen einen „Solarführerschein“ ablegen. Des Weiteren wird ein interessierter  und engagierter Bewohner der Region zu einem Spezialisten ausgebildet, um kleinere Mängel frühzeitig zu beheben und so Schäden an den Akkumulatoren zu verhindern. Dies sichert die Nachhaltigkeit des Projektes.

Der direkte Projektpartner im Land ist „Los comités de padres de familia” (dt.: Elternbeiräte), die seit Jahren im Rahmen der Städtepartnerschaften bekannt und sehr verbindlich und zuverlässig sind. Unterstützung bekommt das Projekt von der Stadt Nürnberg und der Stadt Erlangen, sowie den Städtepartnerschaftsvereinen von engagierten Bürgern in Nürnberg und in Erlangen.

Konkret sind für die Schulen nun die Installation von drei neuen Solaranlagen sowie die Erweiterung einer bestehenden Anlage geplant. Zusätzlich sollen drei Schulsolaranlagen und die Anlage im Gesundheitszentrum repariert und wieder in Betrieb genommen werden. Außerdem werden Schulungsmaterialien und Messgeräte benötigt. Die Realisierung des Projektes ist für Ende 2013 geplant und das Gesamtvolumen beläuft sich auf ca. 15.000 €. Hierfür sammeln wir jetzt Spenden und bitten dringend um Ihre Unterstützung.

 

Mitte November 2013 sind die Ingenieure ohne Grenzen der Regionalgruppe Nürnberg nach erfolgreicher Projektumsetzung aus Nicaragua zurückgekommen.

Insgesamt wurden an sieben Schulen und einem Gesundheitszentrum Solarstromanlagen gebaut und in Betrieb genommen.

Obwohl für das Projekt nur ein sehr enger Zeitrahmen zur Verfügung stand, konnten die Ingenieurin Kerstin Schmalfeld, und die Ingenieure Thomas Müller und Wolfgang Müller alle Arbeiten erfolgreich abschließen! Es konnten sieben Schulen und ein Gesundheitszentrum in der Region Los Guatuzos, Gemeinde San Carlos eine Stromversorgung erhalten. Der enge Zeitrahmen konnte u.a. deswegen gehalten werden, weil die Vorbereitung der ganzen Projektgruppe äußerst gründlich durchgeführt wurde und viele Kleinteile, die von hier mitgenommen wurden, vorher ausgiebig getestet wurden.

Neben den Reisenden waren noch August Sensing und Sebastian Hausleider intensiv an dem Projekt beteiligt und haben es mit voller Kraft und großer Leidenschaft unterstützt! Das meiste Material, wie zum Beispiel Photovoltaikmodule, Batterien und Laderegler konnte nach vorheriger Bestellung vor Ort in San Carlos am Ankunftstag in Empfang genommen werden.

An jeder Schule wurde eine Solarkiste aufgestellt. Diese Kisten wurden nach unseren 3D-Plänen von einem Schreiner vor Ort gebaut und mit einem Schloss gegen unberechtigte Nutzung gesichert. Jede Kiste beinhaltet eine Solarbatterie und ist mit verschiedenen Anschlussbuchsen, dem Laderegler und einem Hauptschalter ausgestattet. Zusätzlich erhielt jede Schule einen CD-Spieler und ein Ladegerät für das Aufladen von Akkus für Batterieleuchten.

Die neuen Solaranlagen ermöglichen so Erwachsenenbildung, Sprach- und Musikunterricht und es können Handys aufgeladen werden. Hierdurch erwirtschaften die Schulen Einnahmen für spätere Reparaturen und Lehrmittel. Zusätzlich können im Gesundheitszentrum nun wieder Medikamente und Impfstoffe gekühlt werden.

Hauptunterstützer des Projektes waren die Naturstrom AG und das Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg. Aber auch viele Privatpersonen und Freunde sowie kleinere Unternehmen haben das Projekt großherzig unterstützt. Die letzte Finanzierungslücke wurde schlussendlich durch eine Spendenaktion von Christian Tews und Uwe Fürbeth im Rahmen ihrer Radtour durch das Baltikum geschlossen.

Eine Schlüsselrolle bei der Projektumsetzung nahmen unsere Ansprechpartner Aillen Mejia und Armando Gomez in Papaturro und auch die Gemeinden selbst ein. Alles war perfekt organisiert und die Ingenieure/in wurden überall herzlichst empfangen und bei den Arbeiten intensiv unterstützt. Alles Material wurde von den Menschen selbst in die entlegenen Schulen transportiert. Der Transport erfolgte mit Fahrrädern, zu Fuß, per Pferd oder per Boot. Für einige Montagen wurde von einem Elternbeirat ein Pickup nur gegen Benzinkosten zur Verfügung gestellt.

Insgesamt haben wir während des Projektes drei Schulungen durchgeführt, bei denen insgesamt ca. 40 Teilnehmer/innen anwesend waren. Zusätzlich wurde eine spezielle Ausbildung für zwei Spezialisten in der Region durchgeführt. Dies soll dazu führen, dass die Anlagen richtig bedient und gewartet werden und mögliche Störungen schnell behoben werden. Den Spezialisten wurde ein Satz der wichtigsten Ersatzteile übergeben, um bei Defekten rasch reagieren zu können. Durch diese Maßnahmen soll die Nachhaltigkeit des Projektes gestärkt werden.

An jeder Schule wurde eine große Einweihungsfeier abgehalten, zu der die Kinder, aber auch viele Eltern kamen. Hier wurde in kleinen Reden allen Beteiligten gedankt und die möglichen Funktionen der Anlagen erläutert. Hierdurch sollte der Gemeinde noch einmal bewusst gemacht werden, dass die Anlage der gesamten Gemeinde gehört und die Einnahmen auch den Kindern zugutekommen. Bei den Einweihungsfeiern kam stets bereits der CD-Spieler zum Einsatz und auch die Ingenieure ohne Grenzen mussten bzw. durften das Tanzbein mitschwingen.

Um die Verbindlichkeit in den Gemeinden noch weiter zu verstärken, wurden Betriebsbücher übergeben. Die Verantwortlichen mussten für den Erhalt der Anlage unterschreiben und sich für die zweckdienliche Nutzung der Anlage sowie deren Wartung verpflichten.

Eine zusätzliche große Ehre erfuhren die Ingenieure ohne Grenzen am Ende der Reise, weil der Oberbürgermeister von San Carlos, Jhonny Gutiérrez höchst persönlich mit dem Boot nach Los Guatuzos kam, um sich für unseren Einsatz und den Bau der Anlagen persönlich zu bedanken.