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NPL-IOG01

07.05.2019 // 14:07

Nepal: Nachhaltiges Energiekonzept für das SKM-Hospital in Sankhu

Das Sushma Koirala Memorial Hospital liegt ca. 15 Kilometer nord-östlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Das Krankenhaus ist darauf spezialisiert, plastische und wiederherstellende Chirurgie für die arme Bevölkerung Nepals anzubieten.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Sankhu, Nepal
  • Zielgruppe: Bevölkerung von Sankhu und Umgebung
  • Zeitraum: 01/2010 bis 05/2011
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Das Sushma Koirala Memorial Hospital liegt ca. 15 Kilometer nord-östlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Das Krankenhaus ist darauf spezialisiert, plastische und wiederherstellende Chirurgie für die arme Bevölkerung Nepals anzubieten. Darüberhinaus sichert das Krankenhaus die medizinische Grundversorgung der Menschen in der Umgebung. Doch die extrem unzuverlässige und lückenhafte Stromversorgung in Nepal erschwert die Arbeit des Krankenhauses erheblich. Oftmals müssen die drei Dieselgeneratoren, die eigentlich als Notstromaggregate gedacht sind, im Dauerbetrieb laufen, um die Stromversorgung des Krankenhauses bei Engpässen aufrecht zu erhalten. Angesichts der hohen Dieselpreise kann dies jedoch keine Dauerlösung sein.

Projektbeschreibung

Gemeinsam mit den technischen Verantwortlichen hat Ingenieure ohne Grenzen ein Konzept für eine zuverlässige Energieversorgung des SKM-Hospitals entwickelt und im Herbst 2010 erfolgreich umgesetzt.

Erste Krankenhausprojekte von Ingenieure ohne Grenzen wurden in Nepal durchgeführt. Dort standen die durchführenden Ingenieure vor landesspezifischen Problemen wie nicht vorhandene kontinuierliche Energieversorgung, ineffiziente Anlagen und dadurch hohe Energieverbräuche und hohe Umweltbelastung durch Müll. Hauptquelle der Stromerzeugung in Nepal ist Wasserkraft. Deshalb ist die Stromerzeugung von den zur Verfügung stehenden Wassermengen und damit vom Monsun abhängig. Aufgrund einer extrem unzuverlässigen Stromversorgung stehen Krankenhäuser vor großen Problemen die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten sowie die notwendigen Operationen durchzuführen. Dieses Problem wird durch die oftmals veraltete, energieineffiziente technische Ausstattung der Krankenhäuser weiter verschärft.

Ingenieure ohne Grenzen e.V. unterstützt Krankenhäuser in Entwicklungsländern mit regionalangepasster und effizienter Technik:

° Energieversorgung

° Sterilisation, Wäscherei

° Heizung, Klimatisierung

° Müllentsorgung

° Wasser, Abwasser

 

In Zusammenarbeit mit einer vor Ort agierenden, medizinischen Nicht-Regierungs-Organisationen konnte die Situation des Sushma Koirala Memorial Hospital in Sankhu (www.nepalhospital.de) verbessert werden.

Welche Unterstützung bieten wir?

Um die Krankenhäuser in ihren Anstrengungen zu unterstützen, bietet Ingenieure ohne Grenzen e. V. Beratung, Konzeptionierung von Lösungsansätzen und deren Umsetzung u.a. in folgenden Bereichen an:

° Energiemanagement zur bestmöglichen Nutzung der vorhandenen Energie

° Unterstützung bei der Unabhängigkeit des Krankenhauses von der öffentlichen Stromversorgung durch Ausstattung mit regenerativen Energien, z. B. Photovoltaik, Biogas, Windkraft

° Regenerative Konzepte zur Gebäudebeheizung und Warmwasserbereitung, z. B. Solarthermie, Abwärme eines Blockheizkraftwerks

° Sterilisationsanlagen

° Effektiverer Betrieb von Küchen und  Wäschereien durch Nutzung vorgewärmten Wassers sowie Verschließen oder Vermeiden von offenen Feuerstellen

Reduzierung der Umweltverschmutzung durch Planung und Bau von Müllverbrennungsanlagen Zusammenarbeit in unserem Sinne bedeutet dabei nicht das Bereitstellen fertiger Lösungen, sondern Unterstützung und Beratung bei der Planung und Umsetzung. Nach Möglichkeit werden vor Ort verfügbare Materialien verwendet und lokale Arbeitskräfte für die Umsetzung und später anfallende Wartungen geschult. Dies gewährleistet einen langfristigen Betrieb und das Verbreiten lokaler Ideen.

 

Teilprojekt 1: Nachhaltiges Energiekonzept für das SKM-Hospital in Sankhu, Nepal

Das Sushma Koirala Memorial Hospital (SKM-Hospital) in Sankhu, Nepal, steht aufgrund der extrem unzuverlässigen und lückenhaften Stromversorgung vor großen Problemen, die medizinische Grundversorgung aufrecht zu erhalten, sowie notwendige operative Eingriffe durchzuführen, die vielen verarmten Menschen ein unbeschwertes Leben ermöglichen. Vor allem die bei Patienten mit Verbrennungen notwendige, nahe der Körpertemperatur liegende Raumwärme im OP, den Aufwachräumen und den Krankenzimmern stellt die Energieversorgung vor Herausforderungen. Zusammen mit dem technischen Leiter des Krankenhauses erstellt Ingenieure ohne Grenzen Konzepte zur zuverlässigen Energieversorgung des SKM-Hospitals.

 

Partner

 

Um diese Missstände zu beheben wurde 1997 durch den Gründer von Interplast Germany e.V. das Sushma Koirala Memorial Hospital in Sankhu, 15km östlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu, in Betrieb genommen. Der Schwerpunkt der Klinik liegt in der plastischen Chirurgie und soll den Menschen mit Fehlbildungen und anderen Verletzungen ein normales Leben ermöglichen. Daneben wird die (zahn-)medizinische Grundversorgung durchgeführt, um die Akzeptanz in der ländlichen Gegend zu gewährleisten.

 

Situation des Krankenhauses

Das Krankenhaus bietet momentan 48 Patienten stationäre Behandlungsmöglichkeiten. Daneben bestehen zwei klimatisierte Operationssäle mit Vorbereitungsräumen für die Anästhesie, Aufwach- und Untersuchungsräumen, Sterilisations- und Röntgeneinrichtungen, sowie eine komplette ständig besetzte Zahnstation mit Techniklabor. Darüber hinaus wurden alle notwendigen Einrichtungen, wie Wäscherei, Wasserversorgung, Kläranlage, Müllverbrennungsanlage und Notstromaggregate installiert.
Anhaltende Engpässe in der Energieversorgung bedingen, dass die drei als Notstromaggregate gedachten Dieselgeneratoren im Dauerbetrieb laufen. Verhältnismäßig hohe Dieselpreise, das hohe Alter der Motoren, sowie die als mangelhaft prognostizierte Stromversorgung zwingen den Betreiber alternative Möglichkeiten heranzuziehen, um den Betrieb des Krankenhauses weiter aufrecht zu erhalten.

 

Geplante Maßnahmen/Ziele

Gemeinsam mit dem technischen Leiter des SKM-Hospitals entwirft Ingenieure ohne Grenzen Konzepte zur Energieversorgung und helfen bei deren Bewertung sowie bei der Umsetzung des geeignetsten Konzeptes. Bei der Erstellung der Konzepte werden klimatische, logistische, politische sowie finanzielle Bedingungen berücksichtigt. Dabei soll neben der Auslegung einer Energieversorgung auch deren effiziente und nachhaltige Nutzung berücksichtigt werden. Dies bedeutet, dass aufgrund eines hohen Energiebedarfs für das Heizen und Klimatisieren der Operationssäle und den angrenzenden Behandlungsräumen, u.a. eine verbesserte Isolierung des Gebäudes, sowie eine effiziente Nutzung der Abwärme bedacht wird. Ebenso wird in einer dritten Ausbaustufe die Einbindung von alternativen Energiequellen berücksichtigt.

 

"Ideen Initiative Zukunft"

Wir konnten uns mit dem Nepal Projekt bei dem Wettbewerb " Ideen Initiative Zukunft ", ausgerichtet vom dm-drogerie markt und der Deutschen UNESCO-Kommission, die Kunden Ihres dm-Markts überzeugen. Zwei Wochen lang haben wir in einem lokalen dm-drogeriemarkt für unser Projekt bei den Kunden geworben und konnten uns mit viel Arbeitseinsatz gegen die anderen Wettbewerber durchsetzen. Somit sind uns 1000 Euro Prämie sicher.

 

Teilprojekt 2:Energiekonzept für das Amppipal Hospital in Gorkha, Nepal

Wir wollen unsere Erfahrungen, im Sinne der Nachhaltigkeit, bei weiteren hilfsbedürftigen Krankenhäusern in Nepal einbringen. Dazu liegen mehrere Anfragen vor. Wir haben uns für eine Unterstützung des Amppipal Hospitals in Gorkha entschieden. In Absprache mit dem SKMH, für welches wir bei Bedarf natürlich weiter zur Verfügung stehen, werden alle Ressourcen (gesammelte Gelder, Kapazität) derzeit für das Amppipal Hospital eingesetzt. Ein Student der TU München war zur Ersterkundung vom September bis Dezember 2011 vor Ort. Die Weiteren Schritte werden derzeit ausgeplant.

 

Chronologische Berichte

 

März 2012

Nach der sorgfältigen Auswertung der Daten aus der Ersterkundung und den wichtigen Ergänzungen durch einen weiteren Besucher im Amppipal Krankenhaus findet jetzt die Detailplanung für die ersten umzusetzenden Punkte statt. Höchste Priorität genießt dabei eine Überprüfung der Verkabelung der Gebäude sowie die Planung, Konstruktion und Inbetriebnahme einer Müllverbrennungsanlage.

Die Überarbeitung der Verkabelung des Gebäudes soll die Sicherheit zu erhöhen und nötige Sicherungen sinnvoll einzubinden. Aus unserer Sicht ist dies ein notwendiger Schritt, vor allem vor dem Hintergrund der Erweiterung des Krankenhauses mit einem weiteren Gebäude, um die Leitungsquerschnitte nicht weiter zu belasten. Es muss darauf geachtet werden, dass die Gebäude abgesichert sind, damit auch im Fehlerfall kein Personenschaden entsteht. Wir haben mit Andi einen erfahrenen Elektromeister, der sich dieser Sache annimmt.

Für die Bearbeitung der Müllverbrennung haben wir mit Catrin eine sehr kompetente Studentin gewonnen, die bereits mit einer Marktanalyse über Klein-Müllverbrennungsanlagen begonnen hat. Sie wird dieses komplexe Thema aufarbeiten und uns von Ihren Erkenntnissen profitieren lassen. Da der Umgang mit Müll ein großes Problem in vielen Ländern ist, werden wir ein Konzept erhalten, dass auf viele weitere Anwendungen, nicht nur Krankenhäuser, einsetzbar ist. Damit sind wir in der Lage, lokale Personen im Aufbau derartiger Anlagen zu schulen damit diese dann sowohl die Instandhaltung, als auch den Neubau weiterer Anlagen voranbringen können.

Die Energieversorgung, für die das Krankenhaus einen 40 kW Generator angeschafft wurde wird ebenfalls überarbeitet. Die IST-Analyse hat ergeben, dass das Krankenhaus mit geschickter Lastverteilung auch mit dem älteren, kleineren 9 kW Generator versorgt werden kann. Durch die bessere Nutzung der Generatoren kann somit sofort Treibstoff eingespart werden. Aus den Daten konnten wir erkennen, dass zur weiteren Entlastung der Generatoren und somit geringeren Treibstoffkosten eine Photovoltaikanlage den Großteil des Grundbedarfs decken könnte. Dies Umzusetzen wird ein weiteres Thema in den nächsten Monaten sein, wobei hier Nepali die zentrale Rolle spielen. Planung und Inbetriebnahme wird von lokalen Arbeitern durchgeführt und von uns lediglich bei anfallenden Problemen beratend unterstützt.

Zur weiteren Entlastung der Generatoren wird die Wäscherei effizienter gestaltet. Durch vorgewärmtes Wasser wird weit weniger Energie benötigt als bisher. Außerdem wird das Heizsystem der Waschkessel verbessert.

Mai 2012

Für die Planung und Errichtung einer Photovoltaikanlage konnten wir eine nepalesische Firma finden. Die Firma DOS hat schon mehrfach Solaranlagen installiert und konnte in Abstimmung mit Ingenieure ohne Grenzen e.V. eine dem Bedarf entsprechende Anlage auslegen. Die Aufstellung wird voraussichtlich in den nächsten Wochen beginnen.Wir sind sehr zufrieden, Fachkräfte vor Ort gefunden zu haben, die die Auslegung der Anlage dem Bedarf entsprechend durchgeführt haben. Dies zeigt, dass die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert und lokale Arbeiter und Produkte optimal eingesetzt und deren Wissen ausgebaut sowie einheimische Händler gestärkt werden.

Juli 2012

Von unserem Ansprechpartner bei Nepalmed e.V. sowie dem vor Ort arbeitenden Techniker Babu Ram haben wir die erfreuliche Nachricht bekommen, dass die Solaranlage aufgebaut ist und derzeit an das Krankenhaus-Netz angeschlossen wird. Wir hoffen bald eine positive Nachricht zu bekommen, dass die Anlage das Krankenhaus mit Strom versorgt.

In München sind wir kurz davor, die Pläne für die Verkabelung und Absicherung des alten und neuen Teils des Krankenhauses fertig zu stellen. Planmäßig wollen wir diese dem Krankenhaus im August zur Verfügung stellen und hoffen auch hier eine lokale Firma und Arbeiter einbinden zu können.  Dafür sind wir bemüht die technischen Zeichnungen sehr verständlich zu erstellen und die kritischen Punkte deutlich heraus zu arbeiten.

September 2012

Die Zeichnungen und Erklärungen zur Verkabelung sind fertig gestellt und an Nepalmed e.V. und Babu Ram vom Amppipal Krankenhaus übergeben worden. Die erste Rückmeldung war sehr positiv. Es geht jetzt darum, lokale Unterstützung für die Überarbeitung der Verkabelung zu finden. Mit der Verbesserung der Verkabelung wird ein wichtiger Schritt zu mehr Sicherheit gegen Überlastung oder gar Überhitzung gemacht. Wir freuen uns, dass mit den Plänen das Sicherheitsrisiko erheblich gesenkt werden kann. Neben der Firma DOS, die bereits die Solaranlage installiert hat, will Babu Ram noch bei weiteren Firmen zur Umsetzung der Pläne anfragen.

Weitere Planung, die wir in München durchführen, betrifft die Wäscherei. Hier geht es nun darum, neben der Sicherstellung der Energieerzeugung auch den Verbrauch zu verringern. Hierfür werden Pläne zur effizienteren Nutzung der Wäscherei erstellt. Diese sollen neben technischen Ideen auch eine Überarbeitung des Ablaufs beinhalten. Diese Pläne sollen in naher Zukunft an das Krankenhaus übergeben werden.

Oktober 2012 

Die Verbesserung der Verkabelung wird von der Firma DOS durchgeführt. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Sicherheit. Des weiteren wurden Veränderungen in der Wäscherei durchgeführt. Hierbei geht es zunächst darum, die dort arbeitenden Menschen zu sensibilisieren, woher die Energie kommt und wie sie effizient genutzt werden kann. So ist die Isolierung der Waschtöpfe ebenso wichtig wie die Nutzung von Deckeln. Hierfür wurden Berechnungen zur potentiellen Energieeinsparung durchgeführt und eine Anleitung mit Bildern und nepalesischer Beschriftung erstellt. Diese wurde an das Krankenhaus geschickt, um einen schnellen Überblick zu haben, mit welchen Maßnahmen Energie gespart werden kann. Somit kann durch solarthermische Vorerwärmung des Wassers der Energiebedarf für die weitere Erhitzung und das Warmhalten erheblich reduziert werden, was vor allem im Gasverbrauch deutlich spürbar ist. 

Dezember 2012

Ein weiteres großes Problem, die Beseitigung des anfallenden Mülls, wird in Angriff genommen. Nach monatelanger Planung und Abstimmung konnte eine Firma damit beauftragt werden eine Müllverbrennung aufzubauen. Bei der Planung unterstützte der technische Leiter des SKM Krankenhauses alle Beteiligten. Somit konnte durch den Kontakt und die Erfahrungen von Ingenieure ohne Grenzen im vorherigen Projekt eine wirkungsvolle Zusammenarbeit gestartet werden. Die Firma DOS, die auch die Müllverbrennung aufbaut, wurde vom SKM Krankenhaus eingeladen, die dortige Müllverbrennung zu besichtigen und bekam Tipps und Pläne zum Aufbau einer entsprechenden Anlage am Amppipal Krankenhaus. Somit konnte ein großes Ziel erreicht werden, die Multiplizierbarkeit der durchgeführten Tätigkeiten. Wir freuen uns besonders, dass mit lokalen Partnern und mit Hilfe des vorangegangenen Projektes, die Erweiterung des Amppipal Krankenhauses durchgeführt werden konnte. Dies zeigt deutlich das Potential der Beteiligten, sich gegenseitig zu unterstützen und bringt uns unserem Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe, ein entscheidendes Stück näher. 

Dieses Projekt wurde erfolgreich abgeschlossen. Wir bedanken uns bei allen Menschen, die uns mit ihrer Mitarbeit und ihren Spenden unterstützt haben, um dieses Projekt zu realisieren.