Liberia: Stromversorgung einer Schule

02.02.2017 // 15:37

Liberia: Stromversorgung einer Schule

Ingenieure ohne Grenzen e.V. plant die Errichtung einer Anlage zur Versorgung der Elementary bis Senior High School in Brewerville mit elektrischem Strom aus erneuerbaren Energien. Die Anlage ermöglicht die Beleuchtung der Klassenräume und deren Nutzung auch nach Einbruch der Dunkelheit. Dadurch kann die Schülerzahl in den kommenden Jahren nahezu verdoppelt und Abendbildung für Erwachsene angeboten werden. Darüber hinaus bietet die Einrichtung eines Computerraumes mit Internetzugang unzählige neue Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung.

Zusammen mit der Schule und weiteren Projektpartnern vor Ort soll ein Konzept entwickelt werden, um anfallende Reparatur- und Wartungskosten zu erwirtschaften und so einen nachhaltigen Betrieb der Anlage zu gewährleisten.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Brewerville, Liberia
  • Zielgruppe: Schüler und Schülerinnen der Highschool in Brewerville
  • Zeitraum: 10/2012 bis 05/2013
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Nach zwei blutigen Bürgerkriegen zwischen 1989 und 2003 ist Liberia eines der ärmsten Länder der Welt und kämpft bis heute mit einer sehr hohen Kindersterblichkeits-, Analphabeten- und Arbeitslosenquote. Etwa die Hälfte der rund 3,5 Mio. Einwohner von Liberia ist unter 15 Jahre alt – für diese vielen jungen Menschen gibt es zu wenige Ausbildungsplätze in öffentlichen Schulen, die ihnen Zugang zu Bildung und damit eine Chance auf eine bessere Zukunft für sich und ihr Heimatland ermöglichen. Nach Ende des Bürgerkrieges 2003 wurde Ellen Johnson Sirleaf 2005 die erste frei gewählte Präsidentin von Liberia. Durch die Wiederwahl und die Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 2011 ist mit einer längerfristigen Stabilisierung der politischen Lage in Liberia zu rechnen.

Elementary bis Senior High School in Brewerville

Die Schule wurde 1998 von der Liberianerin Diana E. Davis in Brewerville, nahe der Hauptstadt Monrovia, als Grundschule gegründet. Das gemietete Schulgebäude wurde jedoch 2008 gekündigt. Ein Schulbau wurde notwendig, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.

Durch die Unterstützung von „Projekt für Liberia“ aus Braunschweig wurde die neue Schule 2010 fertig gestellt. Die Schule wird momentan von ca. 600 Schülerinnen und Schülern von der ersten bis zur zwölften Klasse besucht, die dadurch die Hochschulreife erlangen können – 2011 bekamen die ersten 31 Schüler das Abitur verliehen.

Projektpartner

Der Hauptprojektpartner ist „Projekt für Liberia“, das im DRK verankert ist. „Projekt für Liberia“ unterstützt Kinder- und Jugendprojekte der Liberianerin Diana E. Davis seit 16 Jahren und hat unter anderem den Schulneubau finanziert. Zusätzlich sollen lokale Universitäten und NGOs eingebunden werden. Schüler und Studenten aus Liberia können dadurch Erfahrungen mit erneuerbaren Energien sammeln und diese Kenntnisse in der Wartung der Anlage und in eigenständigen Projekten anwenden.

Projektbeschreibung

Chronologische Berichte:

März 2012

Nach der allgemeinen Planung des Projekts steht als nächster Schritt die Durchführung der Erkundung vor Ort an. Der Erkundung kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie den ersten direkten Kontakt zu den Projektpartnern vor Ort darstellt. Während der Erkundung sollen zum Einen Land und Leute kennen gelernt, zum Anderen aber vor allem auch die Situation, Gegebenheiten und der Bedarf direkt vor Ort ermittelt werden. Um eine effiziente Erkundung zu ermöglichen, ist eine sorgfältige Planung nötig, die im März begonnen wurde und sich bis in den April ziehen wird. Dazu gehören neben dem telefonischen Kontakt zu Partnern auch die finanzielle sowie organisatorische Planung (Flüge, Visa, Voruntersuchung, etc.). Außerdem wurden Fragebögen der Gruppen Nachhaltigkeit und Technik ausgearbeitet, die bei der Erkundung vor Ort beantwortet werden sollen. Die Erkundung werden Sebastian und Johannes gemeinsam durchführen und dazu vom 22. April an eine bzw. zwei Wochen in Liberia verbringen. Mit den ersten Ergebnissen ist Anfang Mai zu rechnen.

Mai 2012

Nach Abschluss der Planungsphase, wurde die Erkundung vor Ort wie erwartet  von Sebastian Freund und Johannes Weber ab dem 22.04.2012 für eine bzw. zwei Wochen durchgeführt. Dabei absolvierten beide ein umfangreiches Programm aus Treffen mit Partnern vor Ort, Erkundung der Schule und Reparatur der PV-Anlage einer befreundeten Organisation. Seit 29.04 bzw. 6.05 sind beide wieder gesund zurück und haben mit der Auswertung der Erkundungsergebnisse begonnen. In den kommenden Wochen wird vor allem die Analyse der Erkundungsergebnisse eine zentrale Rolle spielen, die großen Einfluss auf die weitere technische Auslegung und das Nachhaltigkeitskonzept im Projekt haben wird.

August 2012

Der Projektantrag zur Durchführung unseres Projekts wurde im August eingereicht. Momentan werden die nächsten Schritte im Projekt geplant, die das Projekt in seine finale Planungsphase führen sollen. Dazu wurden neben einer finalen Festlegung des Anlagendesigns auch schon erste Kontakte für den Transport organisiert. Im Moment wird ein weiteres Treffen mit unserem Projektpartner MaxSolar GmbH aus Traunstein organisiert um bereits Realisierungsdetails zu besprechen und konkrete Planungen für den Aufbau zu vorzubereiten. Die Nachhaltigkeitsgruppe ist eng in die technischen Entscheidungen eingebunden und arbeitet daneben gerade an Schulungskonzepten und -unterlagen zur Schulung von Lehrkräften, Schülern und Studenten. Dadurch soll eine Wartung der Anlage durch der Schule nahestehende Personen ermöglicht und so der nachhaltige Betrieb der Anlage sichergestellt werden. Außerdem wird durch eine Einbindung der Lehrer, Schüler und Studenten in den Aufbau der Anlage der Wissenstransfer vertieft.

September 2012

Ein weiterer Meilenstein im Projekt ist erreicht: der Projektantrag wurde genehmigt und so kann es jetzt im Projekt weiter voran gehen. Dazu fand ein Treffen mit unserem Spender MaxSolar GmbH aus Traunstein statt, in dem bereits konkrete Realisierungsdetails besprochen und aufeinander abgestimmt wurden. Dabei ist vor allem auf eine gute Balance zwischen einer Beschaffung der Komponenten vor Ort zur Sicherung der Nachhaltigkeit und einer Beschaffung in Deutschland als Sachspende zu achten. Daher werden diese Entscheidungen in enger Abstimmung mit der Nachhaltigkeitsgruppe getroffen. Diese arbeitet auf Grundlage der ausgewählten Komponenten an Schulungsunterlagen für die Schüler und Studenten vor Ort. Daneben hat die Logistikgruppe bereits damit begonnen, konkrete Planungen für den Transport der hier beschafften Komponenten nach Liberia anzustellen. Der Transport soll im November stattfinden, sodass die Anlage im Dezember verfügbar und im Januar 2013 montierbar ist.

Oktober 2012

Im Projekt geht es mit großen Schritten voran: nach der Festlegung des Anlagendesigns wurden die einzusetzenden Komponenten mit der Nachhaltigkeitsgruppe verabschiedet und deren Beschaffung diskutiert. Als nächster Schritt steht hier die Verpackung und der Transport der Komponenten nach Liberia an. Diese Fragen werden in enger Zusammenarbeit mit unserem Projektpartner "Projekt für Liberia" aus Braunschweig diskutiert. Außerdem wurden die ersten Laptops von unserem Projektpartner Labdoo aus Neuburg an der Donau geliefert und werden im Moment von uns getestet um selbst ein Gefühl für die Geräte zu bekommen. Daraus wird im Anschluss ein Schulungskonzept erarbeitet. Neben dem Schulungskonzept erarbeitet die Nachhaltigkeitsgruppe im Moment vor allem auch die Möglichkeit zum Wissenstransfer. Dies schließt Planungen hinsichtlich der Einbindung in den Lehrplan sowie der Einbindung von Schülern ein.

November 2012

Nach der Planungsphase steht das Projekt inzwischen kurz vor der Realisierung. Alle Gruppen arbeiten an konkreten Lösungen z.B. für den Transport der Komponenten nach Liberia, erstellen Schulungsunterlagen und schließen die Ausarbeitung der Schaltpläne für die Anlage ab. Die IT-Komponenten sind fast vollständig eingetroffen, sodass in Kürze in einem Aufbauworkshop das komplette IT-System für den Computerraum der Schule getestet werden kann. Auch die Planung des Aufbaus vor Ort hat begonnen. Dabei arbeiten die Gruppen Nachhaltigkeit und Technik eng zusammen, damit eine Verzahnung zwischen technischem Aufbau und Schulung an der Anlage erreicht werden kann. Nur eine Einbindung unserer Projektpartner vor Ort ermöglicht einen nachhaltigen Wissenstransfer.

Dezember 2012

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und auch das Projekt kommt der Realisierung in großen Schritten näher. Die IT-Komponenten für den Computerraum mit 15 Arbeitsplätzen wurden vollständig geliefert, d.h. inzwischen stehen uns über 15 mit Edubuntu bespielte Laptops, ein Laserdrucker, ein Internetrouter, ein Switch und zahlreiche weitere Netzwerkkomponenten zur Verfügung. Diese Komponenten wurden im Rahmen eines Workshops erstmals zusammen betrieben und konnten erfolgreich getestet werden: alle angeschlossenen Laptops arbeiteten und konnten sowohl auf den Drucker als auch - über das GSM-Netz - auf das Internet zugreifen. Auch die restliche Technik macht große Fortschritte: die benötigten Panels wurden zur Zwischenlagerung bis zum Transport nach Liberia nach Braunschweig geliefert und dort von unserem Projektpartner eingelagert. Ende des Monats erhielten wir dann auch die erlösende Nachricht von unserem Projektpartner aus Liberia: die Zollbefreiung wurde ausgestellt, sodass wir nun für ein Jahr Hilfsgüter für das Projekt einführen können! Mit dieser positiven Entwicklung starten wir in ein neues und aufregendes Jahr 2013!

Januar 2013

Der Januar war der Monat der Vorbereitung des Aufbaus: der Containertransport wurde vorbereitet und so musste alle Hardware nach Braunschweig geliefert werden. Im Januar wurde die komplette IT-Technik geliefert, die Batterien zur Speicherung des Solarstroms für die Nacht, die Laderegler und Wechselrichter für die Solaranlage sowie sämtliche Kleinteile, die für den Aufbau der Anlage verwendet werden und nicht vor Ort beschafft werden können. Daneben wurde auch der Solarschulungskoffer aufgebaut. Dieser soll noch vor dem Aufbau der Anlage eingesetzt werden, um in allen Schulklassen ein nach Schüleralter angepasstes Versuchsangebot durchzuführen, um ein Verständnis der Anlage und der Solartechnik zu fördern. Weiterhin wurde alles für den für Mitte Februar geplanten Containertransport vorbereitet sowie die Detailplanung der Anlage begonnen.

Februar 2013

Der Februar stand ganz im Zeichen des Containers: nach erfolgreicher Ausstellung der Zollbefreiung und der damit verbundenen Zusage der GIZ, den Transport von Projekt für Liberia zu unterstützen, wurde der Container für Mitte Februar in Braunschweig angekündigt. Bis dahin mussten alle Komponenten verpackt in Braunschweig im Lager unseres Projektpartners Projekt für Liberia stehen um dann pünktlich am 16. Februar verpackt werden zu können. Viele Helfer

 packten mit an und so konnte der Container am 18. Februar seine dreiwöchige Reise über Hamburg nach Monrovia aufnehmen. Neben der Logistik waren vor allem Technik und Nachhaltigkeit sehr beschäftigt, die letzten Details für Schulungen und nachhaltigen Betrieb der Anlage zu klären sowie Details des Aufbaus zu besprechen, unter anderem Detailplanungen der Dachkonstruktion. Unsere drei Reisenden von Ingenieure ohne Grenzen planten außerdem die Details ihrer Reise, ließen letzte Untersuchungen durchführen und kümmerten sich um die Ausstellung der nötigen Visa.

März 2013

Im März war es so weit: der Aufbau der Anlage stand an! Der Container wurde nach seiner langen Seereise Mitte März im Hafen von Monrovia angeliefert. Am 20. März flogen Jakob und Johannes zusammen mit Werner, einem Reisenden unseres Partners Projekt für Liberia nach Monrovia. Der Einsatz sollte gestaffelt ablaufen: zunächst sollte Johannes den Aufbau der Anlage vorbereiten, d.h. das benötigte Material für die Dachkonstruktion beschaffen, das Dach überprüfen und zusammen mit Werner die von der Schule zusammen mit einem lokalen Elektriker in Eigenleistung installierte Hausinstallation kontrollieren und vermessen. Jakob begann unterdessen mit der Schulung der Schüler und Lehrer. 

Das von der Nachhaltigkeitsgruppe ausgearbeitete Konzept sah mehrstufige Schulungen vor: ausgerichtet auf das Alter der Schüler vom Kindergarten bis zur Abschlussklasse. Die Schulungen liefen wie geplant und stießen auf sehr großes Interesse in allen Altersklassen.

Ein Problem war, dass der Finanzminister auf Grund eines medizinischen Notfalls ausgeflogen werden musste und mangels Stellvertreter die Auszollung des Containers verzögert wurde.

April 2013

Anfang April kamen nun auch die Helfer unseres Projektpartners MaxSolar, Franz Hauk sen. und Franz Hauk jun., in Liberia an. Glücklicherweise konnte der Container noch während ihrer Reisezeit ausgezollt und an die Schule geliefert werden. Nun konnte der Aufbau beginnen: der Container wurde mit Hilfe vieler einheimischer Helfer entladen,

die Panels auf der vorbereiteten Unterkonstruktion montiert, Laderegler, Batterien und Wechselrichter installiert und über einen Sicherungskasten mit der Hausinstallation verbunden. Am 8. April war es nun endlich soweit: die Anlage wurde in Betrieb genommen und die ersten Lampen erstrahlten im Schulhaus! 

Parallel zum Aufbau der Anlage wurde der Computerraum mit den von unserem Projektpartner Labdoo zur Verfügung gestellten Laptops eingerichtet und in Betrieb genommen, sodass nur wenige Tage nach Inbetriebnahme der Anlage auch der Computerraum mit Internetanschluss genutzt werden konnte. Nach dem erfolgreichen Aufbau der Anlage war allen Beteiligten die Freude über diesen Meilenstein für die Schule anzusehen!

 

Die Anlage wurde am 14. April mit einer große Feier eingeweiht, zu der Diana zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie Pressevertreter eingeladen hat. Am folgenden Tag erschien im "Liberia Journal" ein Artikel über unser Projekt!

Mai 2013 (zum Projektabschluss)

Mit dem Aufbau und der Inbetriebnahme der Anlage findet das Projekt einen erfolgreichen Abschluss. Vielen Dank an Alle, die das Projekt unterstützt haben - jeder hat seinen eigenen und für das Gesamtprojekt sehr wichtigen Betrag geleistet! Bei unserem Monatstreffen im Mai wurde abschließend das Geschenk, das uns Diana E. Davis und die Schule gemacht hatten, feierlich an das Projektteam und die komplette Regionalgruppe überreicht.