IND-IOG05

18.04.2017 // 13:59

Indien: Nachhaltige Energieversorgung mit Modellcharakter durch Solarthermie

Ziel dieses Projektes war die Optimierung der Energieeffizienz der Großküche des St. Antonys Waisenhauses durch eine Solarthermieanlage ergänzt durch ein angepasstes Bildungs- und Finanzierungskonzept. Ende 2012 konnte das Projekt erfolgreich umgesetzt werden.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Adoni, Indien
  • Zielgruppe: Bewohner des Waisenhauses St. Antony
  • Zeitraum: 06/2011 bis 12/2012
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Das Waisenhaus mit angeschlossener Schule im Süden Indiens, in dem über 300 bedürftige Kinder untergebracht sind, hat einen großen Energiebedarf und steigende Energiepreise bedrohen die Existenz der Einrichtung. Man versucht, sich mit der Rodung der wenigen Bäume zu behelfen, die Bestände sind jedoch in der trockenen Gegend sehr begrenzt und die Abholzung schadet dem lokalen Ökosystem.

Projektbeschreibung

Ein großer Kostenfaktor war mit über 50% des Energieverbrauchs die Zubereitung der Mahlzeiten für die Kinder. Die Regionalgruppe Aachen hat nun eine Lösung entwickelt, in der das Wasser zum Kochen der Mahlzeiten mittels einer Solarthermieanlage vorgewärmt wird, um damit Energiekosten für die Zubereitung zu sparen. Die Solarthermieanlage ist dabei speziell auf die Bedürfnisse des Waisenhauses zugeschnitten, sie ist robust und arbeitet unabhängig von der Stromversorgung. Es ist außerdem möglich, die Anlage ganzjährig zu betreiben, da für Solarthermie im Gegensatz zur Photovoltaik auch die diffuse Strahlung während der Regenzeit genutzt werden kann. Das Konzept ist in urbanen Regionen Indiens bereits bewährt, es eignet sich damit gut zur Nachahmung, um sich als Möglichkeit der Energieeinsparung in der Region zu verbreiten. Außerdem können die Anlagen so von lokalen Anbietern erworben werden und es muss keine teure Technik importiert werden.

Damit das Projekt auch in unserem Sinne nachhaltig ist, hat neben den technischen Aspekten auch der Wissenstransfer bei uns einen besonders hohen Stellenwert. Hierdurch soll erreicht werden, dass die Technologie auch in anderen Einrichtungen Indiens selbständig übernommen werden kann. Um die Weiterverbreitung des Konzepts vor Ort zu stärken, wurde deshalb eine bewusst leicht verständliche technische Lösung gewählt und lediglich lokal verfügbare Materialien verwendet. Zudem haben wir mithilfe eines Seminars für die Schüler in der angegliederten Schule ein Bewusstsein für Themen wie Hygiene, den globalen Wasserkreislauf, Elektrizität und Waldrodung geschaffen.

Das Projekt wird mit der Unterstützung von „Engineers without Borders India“ und dem Verein „Freundeskreis Indienhilfe Gusterath e.V.“ umgesetzt.

 

Die Technik

Die solare Vorheizung des Kochwassers auf mind. 80°C wurde so konzipiert, dass sie sowohl in Verbindung mit Dampfkochsystemen als auch Gasöfen (LPG), welche die verbreitetsten Arten von Öfen in den ländlichen Regionen Indiens sind, funktioniert. Auch wenn bei dem aktuellen Projekt die bestehende Dampfkochanlage weiter genutzt wird, ist unser Grundkonzept viel breiter aufgestellt und bezieht in steigendem Maße auch moderne, energieeffizientere Varianten wie z.B. Pellet-Öfen mit ein. Ein Pellet-Ofen ist zum einen billiger und energieeffizienter, zum anderen werden für die Herstellung der Pellets überwiegend landwirtschaftliche Abfälle verwendet, was weitere ökologische Vorteile gegenüber der Feuerholznutzung bietet.

Die Solaranlage selbst funktioniert nach dem Thermosiphonprinzip. Dabei wird kaltes Wasser durch die Rohre eines Solarkollektors geleitet, der durch die Sonne erwärmt wird. Bis zu seinem Gebrauch kann das warme Wasser in einem gut isolierten Tank zwischengespeichert werden. Vorteilhaft im Vergleich zu anderen Systemen ist dabei, dass keinerlei Strom für Pumpen und andere Geräte gebraucht wird. Die Zirkulation des Wassers wird alleine durch den Dichteunterschied zwischen warmem und kaltem Wasser erreicht.

 

Ausstrahlungswirkung und Weiterverbreitung

Das umgesetzte Konzept ist bei Firmen und lokaler Presse bereits auf reges Interesse gestoßen, sodass weitere Kooperationen mit NGOs und Firmen vor Ort möglich sind. Ein Nachfolgeprojekt wird von unseren indischen Partnern von EWB India bereits entwickelt, weitere Folgeprojekte in der Region sind im Gespräch. Ziel ist es dabei, zusammen mit unseren verschiedenen Partnern vor Ort Strukturen zu entwickeln, über die sich die Idee etwa mithilfe von örtlichen Vertreibern von Solarsystemen und Pellet-Öfen selbständig weiterverbreiten und so langfristig zur Energieeinsparung in vielen weiteren Einrichtungen beitragen kann.

 

Über das Projekt wurde in der Wissenschaftssendung "Leonardo" (WDR 5) berichtet. Der Beitrag steht hier  als Podcast zur Verfügung.