BOL-IOG02

18.04.2017 // 13:55

Bolivien: Wasserversorgung in Zamora

Für das Dorf Zamora im bolivianischen Hochland fehlt ausreichend Brauchwasser für die Bewässerung der Anbauflächen während der Trockenzeit.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Zamora, Bolivien
  • Zielgruppe: Bewohner des Dorfes Zamora im bolivianischen Hochland
  • Zeitraum: 08/2010
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Der durchschnittliche Jahresniederschlag des Bergdorfes Zamora wird auf 600 – 700mm geschätzt. Zamora verfügt über eine ganzjährig gesicherte Trinkwasserversorgung gespeist aus Bergquellen. Das Trinkwasserdargebot reicht jedoch nicht
aus, um in der Trockenzeit (April-Oktober) eine Bewässerung der Ackerflächen sicherzustellen. Weiter befindet sich eine wenig ergiebige und ungenutzte Quelle in einem Seitental welche für weitere Schritte im Projekt in Betracht gezogen wird (siehe „Dammbau“). Des Weiteren sind zwei Flüsse mit einem Einzugsgebiet von etwa 1-3 km2, welche in zwei stillgelegten Erzminen entspringen, vorhanden. Mit diesen beschäftigen wir uns vorerst ausschließlich im Rahmen unseres
Projekts. Die beiden Minenquellen sind unterschiedlich stark schwermetallbelastet, wobei die zweite Mine („schlechte Mine“, mina San Augustin) generell als stärker belastet angesehen werden kann als die erste („gute Minie“, mina Postoní). Der obere Flussabschnitt (bis zur zweiten Miene) des insgesamt etwa 11 km2großen Gebiets wird durch das natürlich vorkommende Feuchtgebiet gereinigt und weißt deshalb weit geringere Schwermetallgehalte im unteren Flussverlauf auf (siehe Probenahmenwerte).
Dies trifft für den unteren Flussabschnitt ab der zweiten Miene nicht zu, da dieser in einer Rinne fließt und das Wasser im Flussverlauf stark belastetbleibt. Das gesamte Flusswasser bleibt folglich aufgrund der Belastung ungenutzt.
Das Flusswasser wird anschließend oberhalb der Gemeinde in ein Bewässerungssystem eingeleitet welches jedoch aufgrund der Belastung des Wassers momentan nicht genutzt wird. Bevor das aus den beiden Minen gesammelte Brauchwasser in das Dorf geleitet wird, wird es in einem rund 17 m3 großen Auffangbecken aus Beton geleitet.
Die Besichtigung des Speicherbeckens ergab, dass sich dieses in einem erstaunlich guten Zustand befindet und keine Korrosion- oder Verschleißschäden aufweist. Abbildung 2 zeigt das vollgefüllte Rechteckbecken. An das Becken angeschlossen ist eine Rohrleitung, die das Wasser in das Dorf befördern soll um es dann an die Felder der einzelnen Gehöfte zu verteilen. Hierfür dient ein funktionstüchtiges Verteilerbauwerk am Zulauf zu den zwei Verteiler-Hauptleitungen. Die momentan bestehende Brauchwasserversorgung wird trotz der Wasserknappheit auch in der Trockenzeit nicht genutzt. Den Dorfbewohnern ist bewusst, dass das aus den beiden Minenbächen gesammelte Wasser schädlich für Kulturpflanzen und Tiere ist.

Projektbeschreibung

Als Lösungsansatz wird eine Verbreiterung des unteren Flussbettes nach der zweiten Miene zur erhöhten Infiltration und Schadstoffsadsorbtion durch das Feuchtgebiet vorgeschlagen. Das Flusswasser soll nach den beiden Rohren, welche sich unter dem Weg befinden, gefasst werden und durch zwei Rohrleitungen seitlich abgeführt und flächig verteilt werden (Verteilerbauwerk). Das in Richtung Talseitenwände geleitete Flusswasser soll über die Feuchtgebietsfläche verteilt werden anstatt das Tal in einer Rinne zu durchfließen. Wir gehen davon aus, dass der Boden viele Jahre in der Lage sein wird das Wasser zu reinigen, da das obere Feuchtgebiet zwischen 1.2 und 3.1 sich seit mindestens 50 Jahren noch nicht gesättigt hat. Wir schätzen die Länge des Feuchtgebietes auf ca. 350 m bei einer Breite von ca. 30 m. Nach dem unteren Feuchtgebiet nach 4.3 soll das Wasser wie zuvor in Form einer Rinne austreten, da sich das Tal sich dort stark verjüngt. Der Lösungsansatz gilt für uns aufgrund seiner Einfachheit als sehr attraktiv, bedarf jedoch einer im besten Fall mehrjährigen Qualitätskontrolle des Verteilerbauwerks und der Gewässerqualität. Diese soll in Zusammenarbeit mit ewb’s LaPaz, EIA und der UMSA geleistet werden.

In den folgenden Jahren sind mehrere Erweiterungen denkbar (Stufenplan):
1. In einem Seitental bei Punkt 4.8 erreicht ein kleines Tal mit einem Wasserrinnsal bester Qualität das Haupttal. Bei Errichtung eines geeigneten Sperrwerkes („Damm“, ca. 20 m lang) könnte hier ein Wasserspeicher errichtet werden, welcher die Wasserversorgung (bei einer kontrollierten Abgabe des Wassers) während der Trockenzeit verbessern könnte
2. Sollte sich die Wasserqualität nicht entscheidend ändern, kann „zurückgerudert“ werden und das Wasser der zweiten Mine (Probenahmestelle 3.0) abgetrennt werden und nur das der ersten verwendet werden. Dies führt aber zu einer Verringerung der zur Verfügung stehenden Wassermenge im Vergleich zur Nutzung beider Quellen..
3. Die Gemeinde muss unweigerlichWasser effizienter einsetzen, um in der Trockenzeit Landwirtschaft betreiben zu können. Pilotprojekte bieten die Möglichkeit, den Bewohnern effiziente Technologien vertraut zu machen. Geplant sind,
unter Verwendung der schon bestehenden Anlage, eine Pilot-Tröpfchenbewässerungsanlage sowie die Errichtung eines Pilot-Foliengewächshauses zur Produktion von Lebensmittel auch außerhalb der Regenzeit.