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BOL-ASA01

18.04.2017 // 13:53

Bolivien: Aufbau einer Wasserversorgung für ein Dorf und eine Schule

Weniger als 7,5 Liter Wasser am Tag - nur so viel stand vielen der 120 Bewohner der Dörfer Condorhuacha und Kochipata zur Vergügung.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Condorhuacha und Kochipata, Bolivien
  • Zielgruppe: 120 Bewohner der Dörfer Condorhuacha und Kochipata
  • Zeitraum: 12/2012 bis 12/2013
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

In einer Erkundung in 2011 wurde in Zusammenarbeit mit den Bewohnern festgestellt, dass der dringendste Bedarf vor Ort eine funktionierende Wasserversorgung ist. Die Bewohner von Condorhuacha entnahmen ihr Wasser aus einem kleinen, verschmutzten Rinnsal an einem versandeten Staudamm oberhalb des Dorfes, zuvor genutzte Quellen sind versiegt. Die Bewohner mussten einen beschwerlichen Fußweg über steinige und abschüssige Pfade bis zur Wasserstelle bewältigen.

Viele der Bewohner hatten unter 7,5 Liter Wasser pro Person und Tag zur Verfügung. Damit ist die von der Weltgesundheitsorganisation gesetzte Grenze für ein Überleben ohne ernsthafte gesundheitliche Beeinträchtigungen unterschritten. Zum Vergleich: In Deutschland verbraucht jede Person durchschnittlich ca. 120 Liter pro Tag.
 

Projektbeschreibung

Baulicher Schwerpunkt ist die Umgestaltung und Ausbesserung eines bestehenden Damms. Das Material für die Wasserfiltration am Damm soll aus dem umgebenden Flussbett gewonnen werden. Zusätzlich soll mit Brunnenbohrungen bislang unerschlossenes Grundwasser gefördert werden. Wasser einer guten Qualität wird somit dorfnah gewonnen. Eine anschließende Verwendung von Brauchwasser in der Landwirtschaft erhöht die Nachhaltigkeit des Gesamtkonzepts.

Zugänglichkeit zu Wasser und Wasserqualität

Dort wo keine Gravitationsleitungen möglich sind, wird Wasser mittels regenerativer Energien gefördert. Die Bewohner der Projektdörfer, welche das Wasser bislang zu Fuß über unwegsames Gelände transportieren, werden entlastet. Während der Erkundung wurde ein Prototyp einer einfachen Windkraftanlage zur Wasserförderung in Kochipata errichtet. Die gewonnen Erfahrungen werden für die weiteren Planungen genutzt. Bislang offene Wasserentnahmestellen werden umgestaltet, sodass eine Kontamination des Wassernetzes durch die Wasserentnahme vermieden wird. Die dorfnahe Quellfassung Kochipatas war aufgrund von Algenbefall nicht mehr nutzbar, sodass das Wasser von einem Fluss herangeschafft wurde. Die Algenbildung wurde durch Installation einer Stahlabdeckung und damit ausbleibender Algenbildung verhindert.

 

Anschluss der Schule , Condorhuacha

Die dorfeigene Schule wird von Schülern der umliegenden Dörfer besucht. Sie führt einige Programme die durch den Anschluss der Schule an das Wassernetz nun wieder ganzjährig verfolgt werden können. Dies sind hauptsächlich zwei große Gewächshäuser, die einzigen Toiletten und Dusche im Dorf, ein Wasserhahn, Händewaschstellen, sowie ein Ernährungsprojekt, welches den Schülern täglich eine Mahlzeit bereit stellt.

 

Erhöhung der Wassermenge 

Zunächst wurde die bisherige Wasserversorgung gesichert. Der Staudamm von dem die gesamte Wasserversorgung Condorhuachas abhängt, wurde vor dem weiteren rapiden Verfall geschützt indem der Dammfuß mit Materialien aus dem umgebenden Flussbett ausgebessert und verstärkt. Darüber hinaus wurde das Wassernetz mit einfachsten Mitteln von den Bewohnern instand gesetzt. Die zum Teil gravierenden Leckagen wurden geschlossen. Zusätzliche Ventile lassen eine effiziente Steuerung und Verwendung des Wassers zu. Weitere Einrichtungen verhindern die zuletzt häufigen Ausfälle des gesamten Netzes durch Verschmutzungen und Blockaden.

 

Hausversorgung, Kochipata

In Kochipata konnten alle Häuser mit Wasser versorgt werden. Durch Verlegung einer Leitung, Installation einer Pumpe und Ausbesserung ungenutzter Anschlüsse wurde das Wassernetz aufgebaut. Ein gewähltes Wasserkomitee ist mit der Organisation und Instandhaltung beauftragt.

 

Workshops 

Es wurde viel Wert auf den Wissenstransfer gelegt. Alle Baumaßnahmen wurden mit den Bewohnern diskutiert und von diesen umgesetzt. Zusätzliche Workshops festigen das Wissen und befähigen die Begünstigten selbstständig mit der Technik umzugehen.

 

Werkstatt

Es wurde eine Werkstatt eingerichtet, die das notwendige Werkzeug und Materialien vorhält, damit die Bewohner wichtige Wartungs- und Reparaturarbeiten eigenständig durchführen können

 

Evaluation 2013

Eine Evaluation vor Ort gehört für uns zum erfolgreichen Projektabschluss. Sie dient der Erfolgskontrolle und der Verbesserung zukünftiger Projekte. Zunächst wird festgestellt ob die Anlagen erwartungsgemäß funktionieren und betrieben werden. Darüber hinaus werden die sozialen Auswirkungen des Projekts untersucht, besonders die Veränderung der Lebensumstände in den Bereichen Hygiene, Ernährung, Gesundheit, Lebensqualität oder Landwirtschaft.

Würde Nachbesserungsbedarf festgestellt, werden entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Mit diesem Projektschritt wird sichergestellt, dass das durchgeführte Projekt den Begünstigten auch tatsächlich langfristig zugutekommt. Nachhaltigkeit ist die Basis aller Maßnahmen. Diese werden in enger Abstimmung mit den Dorfbewohnern beschlossen.

Wir veranstalten vor Ort Workshops zu relevanten Themen. Die Bauarbeiten führen die Bewohner unter Anleitung der Ingenieure ohne Grenzen selbst durch. Von Beginn an werden die Bewohner so in das Projekt mit einbezogen und identifizieren sich mit den Maßnahmen. Dieses Vorgehen trägt insbesondere zur Verlängerung der Lebensdauer der technischen Komponenten bei, da die Instandhaltung im Anschluss an das Projekt von den Bewohnern eigenständig durchgeführt werden kann.
 Für eine gerechte Verteilung des zusätzlichen Wassers wird mit dem Wasserkomitee des jeweiligen Dorfes nach der individuell besten Lösung gesucht. Eine kleine Abgabe der Nutzer soll Rücklagen für zukünftige Reparaturkosten bilden.

 

Partnerorganisationen

In diesem Projekt wird Ingenieure ohne Grenzen mit drei Partnerorganisationen vor Ort zusammenarbeiten.
Engineers in Action, World Vision und die regionalen Behörden unterstützen die Arbeit von Ingenieure ohne Grenzen u.a. durch Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort, durch Werkzeuge, Messinstrumente, Materialien und Transporte. Diese Partner haben schon verschiedene Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität der indigenen Bevölkerung in Bolivien durchgeführt und stehen uns mit ihren Erfahrungen durch Rat und Tat zur Seite.