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SAM-IOG-01

02.02.2017 // 15:37

Samoa: Biogas Projekt in Samoa

Ziel dieses Projektes war es, eine Musteranlage für die Unterstützung eines nationalen Biogas-Programms aufzubauen. Fossile Brennstoffe werden eingespart und CO2-Emissionen reduziert.

 


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Samoa
  • Zeitraum: 04/2009 bis 07/2009
  • Partnerorganisation: Ingenieurbüro OSM Consult (Büro Apia, Samoa), DunGas Biogasinitiative, FH Münster
  • Projektvolumen: ca. 3.100 Euro
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Der Inselstaat Samoa liegt im südwestlichen Pazifik, 2.400 km nordöstlich von Neuseeland, und setzt sich aus vier besiedelten sowie einigen unbewohnten Inseln zusammen. Durch die Äquatornähe bedingt herrscht in dieser Region tropisches Klima mit einer Regenzeit von November bis April. Die Hauptinsel mit der Hauptstadt Apia an der Nordküste ist Upolu. Hier leben etwa dreiviertel der 217.000 Samoaner in zumeist sehr kleinen Ortschaften. Die ländliche Bevölkerung nutzt zum Kochen und zur Beleuchtung hauptsächlich Gas und Holz. Das Propangas wird importiert und macht einen großen Teil der finanziellen Ausgaben der Menschen aus. Für einen Zwei-Personen-Haushalt betragen sie in etwa 32 Euro pro Monat (bei einem Jahreseinkommen von etwa 900 Euro). Wird auf offenen Holzfeuern gekocht, so werden schädliche Abgase frei, die die Gesundheit angreifen und den Treibhauseffekt unnötig verstärken.

Projektbeschreibung

Ziel dieses Projektes war es, eine Musteranlage für die Unterstützung eines nationalen Biogas-Programms aufzubauen. Fossile Brennstoffe werden eingespart und CO2-Emissionen reduziert. Gleichzeitig werden die Nutzer der Kleinstbiogas-Anlagen finanziell entlastet und gesellschaftlich besser gestellt, das Hygiene-Bewusstsein der lokalen Bevölkerung wird gehoben und die Fähigkeiten der lokalen Arbeitskräfte in der Konstruktion derartiger Bauwerke entwickelt. Die hier geplante erste Anlage ist daher als Pilot-Projekt für weitere ähnliche Vorhaben anzusehen. Als geeigneter Partner wurde Herr Mefi Tupou ausgewählt. Herr Tupou lebt gemeinsam mit seiner Frau in Toamua Village nahe Apia von der Schweinezucht und betreibt bereits eine Haltung der Tiere in Pferchen. Auslegung, Planung und Bauleitung des Projektes wurden von Ingenieure ohne Grenzen e.V. übernommen. An der Umsetzung der Anlage hat sich Herr Tupou mit Eigenleistungen beteiligt und handwerkliche Arbeiten ausgeführt, so dass er als späterer Nutzer der Anlage einen direkten Bezug zum Projekt erhält. Zu den lokalen Projektpartnern gehört das Ingenieurbüro OSM und garantiert durch spätere ehrenamtliche Support-Leistungen einen nachhaltigen Betrieb Anlage. Auch die lokalen Büros der UNESCO und UNDP nutzen die Anlage als Möglichkeit, Landwirten und Handwerkern die Funktion und den Nutzen einer Biogasanlage dieser Art zu erläutern. Es soll eine Akzeptanz in der Bevölkerung für diese Art der Gasversorgung entstehen.
Experten der neu formierten Renewable Energy Devision des nationalen Ministry of Natural Resources and Environment sind sehr an der Biogastechnik interessiert und es ist bekannt, dass die Regierung wünscht, von Energieimporten unabhängiger zu werden. Besonders im Bereich der Anlagendemonstration wird eine Zusammenarbeit angestrebt. Über die Demonstration hinaus wird ein Kurzzeit-Trainingsprogramm ins Leben zu rufen. Landwirte der Umgebung sind als Haupt-Zielgruppe von Schulungsmaßnahmen. Fachleute werden in den Bereichen Erkundung, Entwurf, Konstruktion und Instandhaltung geschult.

Weitere Gründe für den Bau der Kleinst-Biogasanlage:

* Ohne hohe laufende Kosten werden Abfälle reduziert und Energie gewonnen. Das gewonnene Gas eignet sich z.B. für den Betrieb von Gaskochern und Gaslampen, so dass die Kosten für den Einkauf von Propangas oder Strom zum Kochen werden eingespart.

* Die Abfallprodukte einer Biogasanlage können als nährstoffreicher Dünger zur Steigerung der Ernte genutzt werden.

In Samoa stellt Stallhaltung für Nutztiere bislang eine Ausnahme dar. Rinder werden in der Regel auf eingezäunten Weiden gehalten, vor allem Schweine bewegen sich frei in den Städten und auch der Hauptstadt Apia. Dies führt nicht nur dazu, dass die organischen Abfälle der Tiere als Energieträger ungenutzt im Erdreich versickern und den Boden belastet. Es stellt ein hohes hygienisches Risiko dar, da die tierischen Fäkalien Träger von Krankheitserregern sind und Menschen sich – besonders Kinder - so leicht infizieren können. Um die tierischen Fäkalien ökonomisch sinnvoll nutzen zu können bietet sich eine Haltung der Nutztiere in Pferchen oder Ställen an. Diese bringt gleichzeitig eine Verbesserung der Hygiene in den Ortschaften mit sich.

Projektplanung
Die Recherchen vor Ort übernahm die Biogasinitiative DunGas wird vertreten durch Dipl.-Ing.(FH) Christof Langguth, der bis 2010 in einem Wasserversorgungsprojekt der EU in Samoa arbeitet. DunGas hat in Mbeya, Tansania, 2007-2008 erfolgreich eine erste Biogasanlage mit 4 m3 installiert. Die erlangten Erfahrungen fließen in das Projekt ein.
Lokaler Projektpartner als Berater für die technische Realisierung ist das Ingenieurbüro OSM, vertreten durch Ing. Sebastian Mariner. Als gebürtiger Samoaner garantiert er den nachhaltigen Betrieb der Pilot-Anlage. Das transferierte Know-How erfährt durch seine zukünftige berufliche Tätigkeit im Ingenieurbüro sowie durch sein darüber hinaus gehendes ehrenamtliches Engagement den gewünschten Multiplikator-Effekt.

Gesamtmaßnahmen und Projektverlauf
Auslegung, Planung und Bauleitung des Projektes wurden von Ingenieure ohne Grenzen e.V. übernommen. Dipl. Ing. Wibke Berg betreute das Projekt logistisch und technisch vor Ort. Die lokalen Partner stellten ihr ingenieurtechnisches Wissen und ihre Erfahrungen mit den lokalen Gegebenheiten zur Verfügung und unterstützten somit eine erfolgreiche Ausführung des Projektes. Das an diesem Pilotprojekt erworbene Wissen ermöglicht den Bau von weiteren Kleinst-Biogasanlagen durch Ingenieure ohne Grenzen e.V.
Der Bau der Anlage wurde von örtlichen qualifizierten Arbeitskräften unter der Aufsicht und Anleitung von Wibke Berg ausgeführt. Dazu gehörte das Ausheben der Baugrube, das Betonieren der Betonsohle, Mauerarbeiten und weitere Betonarbeiten für das Verschließen der Behälter.