SEN-IOG02

14.03.2017 // 17:26

Senegal: Fachschule für Solartechnik und Erneuerbare Energie

In Baila, einem Ort mit 2500 Einwohnern in der senegalesischen Provinc Casamance, soll in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Entwicklungsverein UDB die Solarfachschule errichtet werden. Unser Partnerverein "Kinderhilfe Senegal e.V." gründete das Projekt im Jahr 1991 und schaffte 7 handwerkliche Ausbildungszweige, 2 Vorschulen samt zugehöriger personeller Struktur. Von der Entwicklungprofitieren jedes Schuljahr ca. 250 Kinder und junge Erwachsene.


  • Status:  Erkundung Implementierung Evaluation Abgeschlossen
  • Standort: Baila, Senegal
  • Zielgruppe: Schüler und Schülerinnen der Fachschule
  • Zeitraum: 04/2012 bis 12/2013
  • Partnerorganisation: Kinderhilfe Senegal e.V.
  • Projektkategorien: 

Ausgangssituation

Im Senegal leben knapp 13 Mio. Menschen, davon sind etwa 63 % unter 24 Jahre alt. Die Bevölkerung hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Aufgrund mangelnder Ausbildungsmöglichkeiten und der hohen Jugendarbeitslosigkeit fehlen den jungen Menschen allerdings die beruflichen Perspektiven. Eine vermehrte Abwanderung in die Hauptstadt und ins Ausland ist die Folge.

Eine andere Herausforderung ist das im Senegal nur schwach ausgebaute Stromnetz und die schwankende Qualität der Stromversorgung. Für eine stabile Energieversorgung insbesondere in entlegenen Regionen wird stattdessen der Aufbau dezentraler Systeme angestrebt. Hierzu sollen erneuerbare Energien, insbesondere Solarenergie genutzt werden. Um den Ausbau bewerkstelligen und bereits bestehende Anlagen betreuen zu können, fehlen jedoch Fachleute im ganzen Land. Daher werden die Schaffung neuer und die Erweiterung vorhandener Ausbildungsplätze im Bereich Solartechnik und Erneuerbare Energien vom senegalesischen Bildungsministerium unterstützt.

Projektbeschreibung

Bei dem Aufbau einer "Berufsschule für Solartechnik und Erneuerbare Energien" in Baila sollen Materialien zur fachlichen Unterstützung des Unterrichts für SchülerInnen und LehrerInnen erarbeitet werden. Die notwendigen Informationsmaterialien zur Herstellung einfacher Modelle konnten während einer Erkundungsreise im Februar 2013 mit den örtlichen Partnern besprochen werden.
Folgende Aufgaben übernimmt Ingenieure ohne Grenzen bei der Realisierung des Schulprojektes:

- Unterstützung bei der Beschaffung und Finanzierung des Ausstattungsmaterials;

- Erarbeiten von Informationsmaterial für den Unterricht, das möglichst genau auf die Vorkenntnisse und Berufsperspektiven der künftigen SchülerInnen eingeht;

- Unterstützung bei der Ausbildung der zukünftigen senegalesischen Lehrkräfte im Umgang mit den erstellten Materialien sowie im lokalen Umwelt- und Ressourcenschutz;

- Beitrag zur Ausbildung handwerklicher Fertigkeiten und Fähigkeiten für die selbstständige Herstellung von verkaufsfähigen Produkten und betriebswirtschaftliche Grundlagen für deren Vermarktung. Basis dafür ist der gemeinsame Bau von Modellen und Prototypen.

 

Bericht über die Erkundungsreise im Februar 2013

Im Februar 2013 waren Mitglieder der Ingenieure ohne Grenzen e.V. gemeinsam mit der Kinderhilfe Senegal e.V. auf einer Erkundungsreise im Senegal.

Bereits seit über 10 Jahren kooperiert die Kinderhilfe Senegal gemeinsam mit der regionalen Vereinigung UDB (Union de Développement du Baila) in dem Dorf Baila in der Region Casamance im Senegal. In dieser Zeit wurden ein Kindergarten gebaut, die Kranken- und Geburtsstation sowie die Berufsschule des Dorfes unterstützt und zur Verbesserung der Wasserversorgung beigetragen. Durch den regen und engen Kontakt mit den Dorfbewohnern besteht so ein sehr vertrauensvolles Verhältnis.

Zusätzlich zu den vorhandenen Ausbildungsfächern Elektrotechnik, KFZ-Mechanik, Metallbearbeitung, Holzbearbeitung, Textilbearbeitung und Gastronomie soll die Berufsschule in Baila um die Bereiche Solarenergie/ Photovoltaik und Erneuerbare Energien erweitert werden. Dabei möchte die Regionalgruppe Regensburg der Ingenieure ohne Grenzen e.V. die Kinderhilfe Senegal e.V. unterstützen. Es sollen sowohl Lehrmaterialien erstellt und Lehrkräfte ausgebildet als auch zum Bau und der Ausstattung eines neuen Gebäudes beigetragen werden.

Im Februar 2013 fand für diese Kooperation die Erkundungsreise in den Senegal statt. Dabei konnten sowohl der Stand der Bauarbeiten festgestellt als auch der direkte Kontakt zum Schuldirektor und Lehrern hergestellt werden. Ebenso wurden die Gegebenheiten und Verfügbarkeiten von Materialien zum Bau möglicher Prototypen geklärt und Gespräche mit den Schülern zum geplanten Lehrmaterial geführt. Weiterhin konnte erreicht werden, dass die für die Photovoltaik-Ausbildung verantwortlichen Lehrer in das ‚Peracod‘-Programm der GIZ aufgenommen werden können, welches senegalesische Lehrer für 2 Monate in Deutschland zu PV-Ausbildern schult und so auf deren Multiplikator-Wirkung im Land setzt.

Bei der Besichtigung der verschiedenen Einrichtungen vor Ort zeigten sich außerdem verschiedene Optimierungsansätze, zu denen die Ingenieure ohne Grenzen e.V. sehr gern einen Beitrag leisten würden. So kristallisierten sich insbesondere die Verbesserungen der Wasserversorgung mit sauberem und ständig verfügbarem Wasser als eine wichtige und mit verhältnismäßig einfachen Mitteln realisierbare Notwendigkeit heraus.

Und hier ein sehr gelungenes Video zur Erkundungsreise von SAT1 . Großes Lob an die Filmer aus den eigenen Reihen!

Ende 2013 beginnt die Ausbildung der ersten Fachleute in den Bereichen Photovoltaic und Erneuerbare Energien

Seit der Erkundungsreise im Februar haben die Regensburger Vereinsmitglieder die notwendigen Materialien zur fachlichen Unterstützung des Unterrichts erstellt in den Bereichen Windenergie, Wasserkraft, Solarthermie, Biogas, Energieeffiziente Herde und Betriebswirtschaftslehre.

Eine ständige Evaluierung der Materialien mit Aktualisierung, Ergänzung und Anpassung an das Vorwissen der Berufsschüler wird schrittweise in den nächsten Jahren erfolgen.

Im Oktober waren nun zwei Mitglieder aus Regensburg für mehrere Wochen in Baila. Bei ihrem Zwischenstopp in Dakar, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes, konnten sie sich beim Ministerium für Berufsschulbildung über den aktuellen Stand der staatlichen Vorbereitungen zum Schulbetrieb informieren. In Baila sprachen Sie mit den beiden Lehrern, die später die Themen der Erneuerbaren Energien unterrichten werden, die bereitgestellten Ausbildungsunterlagen durch. Darüber hinaus wurden Materialien in den umliegenden Orten organisiert und zusammen mit Dorfbewohnern erste Prototypen und Demonstratoren für den praktischen Unterrichtsteil erstellt. Unter anderem wurde eine Windkraftanlage, ein Sonnenofen und solarthermische Beispielanwendungen aufgebaut. Aber auch eine Einführung in betriebswirtschaftliche Grundlagen für die Finanzierung und den Verkauf solcher Anlagen stand auf dem Programm.

Das Interesse der Lehrer, aber auch der Bevölkerung, war sehr groß und die Ingenieure ohne Grenzen wurden bei ihren Aufgaben tatkräftig unterstützt. Einige Bereiche, wie zum Beispiel eine Trockenanlage für Obst mittels Sonnenenergie, stießen auf so großes Interesse, dass einige Bewohner den Wunsch äußerten, ein entsprechendes Gerät gerne möglichst bald selbst zu benutzen. Darum werden sich nun die Lehrer vor Ort kümmern und das erlernte Wissen an die Schüler und die Bevölkerung weitergeben. Insgesamt war die Implementierungsreise ein voller Erfolg. Es konnten fast alle geplanten Punkte umgesetzt werden und wichtige Grundsteine für den fortlaufenden Erfolg des Projektes gelegt werden.

Bereits während der Erkundungsreise im Februar konnten auch Kontakte zur senegalesischen Vertretung der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) geknüpft werden. Die GIZ hat im Senegal das sogenannte ‚Peracod‘-Programm etabliert, welches die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien, die ländliche Elektrifizierung sowie den nachhaltigen Einsatz von Brennstoffen im Haushalt zum Ziel hat. In dieses Programm istfür senegalesische Lehrer auch eine in Deutschland stattfindende Weiterbildungim Bereich Photovoltaik integriert.

Durch die während der Erkundungsreise gemachten Kontakte und das beharrliche Interesse ist es den Regensburgern gelungen, zwei Lehrer aus Baila in dieses Programm aufzunehmen. Zusammen mit acht weiteren Lehrern aus dem Senegal erhalten eine studierte Elektrotechnikerin und ein Elektrotechniker zurzeit die acht-wöchige Fortbildung am hessischen „Dr.-Frank-Miethammer-Institut“ in Groß-Gerau.

Bei einem kurzen Besuch vor Ort konnten einige der Regensburger Projektbetreuer die zukünftigen senegalesischen Berufsschullehrer kennenlernen und sich von der fundierten Weiterbildung überzeugen.

Ein  wichtiger Bestandteil der Weiterbildung ist neben der Vermittlung theoretischer Grundlagen der selbsttätige Aufbau eines Solarkoffers, welcher auch mit an die Berufsschule genommen werden kann. Durch die eigene Fertigung lernen die Pädagogen so zusätzliche handwerkliche Fertigkeiten und erhalten ein tieferes Verständnis für die Grundfunktionen und die elementare Zusammenhänge. Außerdem werden sie später in der Lage sein, die Koffer zu reparieren bzw. weitere zu fertigen, da sie bereits während der Weiterbildung viele Einzelteile selbst herstellten.

Von der Zusammenstellung ist der Solarkoffer vergleichbar mit anderen Produkten, die auch im Lehrmittelhandel bezogen werden können. Während die zukünftigen Berufsschullehrer zwischen Lötkolben und PV-Modulen noch die Funktion ihres Unterrichtskoffers testen, sind die Regensburger bereits erfreut über die beneidenswerte Geräteausstattung in Baila.

vielen Dank!

an alle Unterstützer der Berufsschule für Erneuerbare Energie.