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Blog des Projekts Kamerun: Sicherstellung der Wasserversorgung für Bandiangseu

14.02.2016 // 16:22

Zurück aus Kamerun - Erkundung erfolgreich abgeschlossen

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Sebastian Raab, 16.12.2012 20:24

Erkundung:

Vor gut einem Jahr startete die Regionalgruppe Kassel der Ingenieure ohne Grenzen  ein Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung in Bandiangseu, einem Dorf im Westen Kameruns. Seitdem wurden zahlreiche Fakten über die Region recherchiert sowie Kontakt zur Organisation ADIED aufgenommen, die das Projekt vor Ort partnerschaftlich unterstützt. Darüber hinaus wurden Spenden gesammelt und  ein Erkundungsteam zusammengestellt, das die Lage vor Ort recherchiert und Kontakt zu lokalen Stellen aufnimmt. Vom 11.11.2012 bis 26.11.2012 konnten sich die  drei Studenten  Emmanuel Touko, Thomas Schomberg und Sebastian Raab  (Bild von links nach rechts) erstmals vor Ort ein Bild der Situation machen.

Situation:

Das Dorf Bandiangseu liegt in West-Kamerun und ist ein Vorort der Stadt Bangangté. Es hat ca. 1.500 Einwohner, eine Schule, eine Kirche und eine kleine Krankenstation. Bandiangseu liegt Nördlich von Bangangté und ist durch die Nationalstraße N4 in zwei Hälften geteilt. Die Wasserversorgung erfolgt hauptsächlich durch vier Wasserstellen. Von diesen führen jedoch nur zwei Quellen in der Trockenzeit ausreichend Wasser. Das Dorfgebiet ist sehr hügelig, der höchste Punkt liegt auf ca. 1.500m, der niedrigste auf ca. 1.350m. Eine örtliche Stromversorgung existiert zwar, allerdings ist diese weder flächendeckend noch zuverlässig. Durch die langgestreckte Form des Dorfes müssen einige Bewohner gerade in der Trockenzeit weite Strecken zur nächsten Wasserstelle zurücklegen. Nach Auskunft der Bevölkerung wird diese Aufgabe von allen Haushaltsmitgliedern gleichermaßen nach deren Möglichkeit übernommen. Tatsächlich gehen meist Kinder Wasser holen. Gerade in Haushalten, in denen nur ältere Menschen leben, führen die weiten Wege zu einem zu sparsamen Umgang mit Wasser. Mehrere Einwohner gaben an, dass lediglich 10 l/Person und Tag verbraucht werden. In Folge dessen steht nur wenig Wasser für die Körperhygiene zur Verfügung. Auch die Sauberkeit des Wassers mancher Wasserstellen ist nicht ausreichend. Von jenen Quellen, welche auch in der Trockenzeit Wasser führen, wurden Wasserproben entnommen und für die spätere Analyse in Deutschland konserviert. Mitarbeiter der örtlichen Krankenstation bestätigten die Berichte der Bevölkerung vor Ort, nach denen verunreinigtes Trinkwasser eine der Hauptursachen für Erkrankungen der Dorfbewohner ist. Diese treten in Form von Typhus, Bauchschmerzen, Hautausschlag und Durchfall auf.

Phase der Informationsbeschaffung:

Beim ersten Zusammentreffen mit den Dorfbewohnern wurde die Umgebung mittels einer Mapping-Methode dargestellt. Dies sollte gleich zu Beginn der Erkundungsfahrt dazu beitragen den partizipativen Ansatz der Ingenieure ohne Grenzen zu unterstreichen. Es wurden gute Ergebnisse erzielt, so konnten Informationen über Ausdehnung des Dorfes, die Verteilung der Wasserstellen, deren Qualität und Quantität gesammelt werden.

Bei einer Dorfbegehung mit den Bewohnern wurden durch das Projektteam zahlreiche Daten zur Topographie, Lage und Durchsatz der Wasserstellen sowie Härte und Leitfähigkeit des Wassers aufgenommen. Darüber hinaus wurde der mögliche Trassenverlauf eines Wasserverteilungssystems mit der Bevölkerung diskutiert, und mittels GPS vermessen. Der Schule von Bandiangseu stattete das Team ebenfalls einen Besuch ab. Für die Schulkinder hatte das Erkundungsteam Spielzeug im Gepäck.

Neben Interviews mit der Bevölkerung  und Treffen mit Mitarbeitern der Hilfsorganisation ADEID wurden mehrere Treffen mit Amtsträgern vor Ort durchgeführt. Dazu zählen das Dorfoberhaupt, der Schulleiter, der Pastor von Bandiangseu, die Bürgermeisterin von Bangangté, Mitarbeiter der französischen Hilfsorganisation la Fondation Veolia Environnement sowie ein Bauunternehmer aus Bandiangseu, der bei der Planung und Umsetzung des Projektes unterstützen möchte. Außerdem fand ein Treffen mit Vertretern der deutschen Botschaft in Yaoundé statt.

Handlungsvorschlag:  

In Kooperation mit der Bevölkerung wurde die Idee eines möglichen Wasserverteilungssystems entwickelt, das in erster Linie das große Problem der weiten Wege beheben soll. Daneben soll gleichzeitig die Wasserqualität verbessert werden. Möglich wäre beispielsweise mittels einer Drainage Hangwasser einzusammeln, dieses mittels einer Solarpumpe auf einen hohen Punkt zu heben, dort in einem Tank zu speichern und von dort zu verteilen. Durch die Teilung des Dorfes durch die Nationalstraße müsste das Wasser auf der anderen Seite der Straße nochmals auf einen Berg gepumpt und in einem zweiten Tank gespeichert werden.  Im Verlauf der Rohrleitung sind mehrere öffentliche Wasserentnahmestellen vorgesehen. Es soll möglich sein sich von der Hauptrohrleitung auf eigene Kosten eigene Hausanschlüsse legen zu lassen. Nach bisherigen Überlegungen soll das Wasser an den öffentlichen Entnahmestellen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Wasser, das an Hausanschlüssen bezogen wird, wäre kostenpflichtig. Hiervon sollen die Wartungskosten gedeckt werden. Reicht das nicht aus, muss der Rest über eine Umlage finanziert werden.

Ein ähnliches System wurde bereits in den frühen 80er Jahren im Rahmen des Scanwater-Projekts realisiert. Dieses System funktionierte in Bandiangseu allerdings nur wenige Jahre, da kein Konzept für die Wartung bestand. Das Projekt der Kasseler Regionalgruppe zielt darauf ab, ein nachhaltiges System aufzubauen, das leicht gewartet werden kann. Dafür hat ADEID bereits Unterstützung angekündigt. Zusätzlicher Support kommt von der französischen Hilfsorganisation La Fondation Veolia Environnement. Diese baut in anderen Dörfern rund um Bangangté eine Wasserversorgung auf und schult vor Ort einheimische Mitarbeiter, die langfristig die Wartung ihrer Systeme übernehmen sollen. Eine ähnliche Vorgehensweise wäre auch im Rahmen des IoG-Projektes möglich.

Abschlusstreffen:

Beim Abschlusstreffen wurde das System als möglicher Lösungsansatz präsentiert. Das System und das Abrechnungskonzept stießen auf große Zustimmung.
 

Es wurde noch einmal klar gestellt, dass dies nur eine unter vielen Lösungsmöglichkeiten darstellt und derzeit noch nicht feststeht ob oder wie das System realisiert wird. Aufgrund der gesammelten Daten wird die Regionalgruppe Kassel verschiedene Lösungsvorschläge erarbeiten, bewerten und prüfen. Eine Entscheidung wie das System aussehen wird sowie eine grobe Kostenabschätzung wird für Ende Januar angestrebt. Danach beginnt die genaue technische Umsetzung und Auslegung des Systems. 

Um ein möglichst nachhaltiges System zu realisieren, wird eine intensive Beteiligung der Dorfbevölkerung während der Projektumsetzung angestrebt, beispielsweise durch Mitarbeit beim Leitungsbau.
 Die Reaktion darauf war sehr positiv. Ein Teilnehmer des Treffens stand auf und sagte:
 "Sagt uns wo - und wir fangen an zu graben".

Dank:

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an die großzügigen Spenden, die diese Erkundung erst ermöglicht haben. 

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