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Blog des Projekts Kamerun: Trenntoiletten für eine Grundschule in Ebendi

14.02.2016 // 19:04

Tag 12 – 17.12.2011

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Es ist Samstag, der 17.12.2011, und heute soll endlich der große Tag kommen, an dem wir die Einwohner von Ebendi kennenlernen sollten und sie uns. Um 9 Uhr sollte es losgehen! Um 9:30 Uhr kam dann ein Anruf, die Bremsen des Pickups seien kaputt und müssten erst repariert werden. Gegen 11 Uhr war es dann soweit. Der Pickup stand vor der Tür und es konnte losgehen. Mit größerem Gepäck für die technische Ausrüstung und die Geschenke und wenig Platz in der engen Kabine machten wir uns auf den Weg. Wir waren auf einiges gefasst! Zuerst war die Straße sehr gut. Die Chinesen waren gerade dabei, die vor einigen Jahren schon einmal geteerte Straße, neu zu überarbeiten, um die Schlaglöcher zu beseitigen. Sie gehört schließlich zu dem Prestigeobjekt ‚Trans Afrika Highway’ von Mombasa nach Lagos. Doch hinter Batibo wurde es dann ernst. Wir mussten uns für ca. 10 km über eine riesige Baustelle mitten zwischen den Baumaschinen bewegen. Man geht da mit riesigem Aufwand her und reißt Schneisen in den Regenwald, schüttet enorme Mengen Erde die Abhänge hinunter oder sprengt Felsen, um eine sehr breite Fahrbahn an den Hängen der Berge zu erhalten. Es sieht teilweise aus wie in einer Mondlandschaft und die Fahrt über diese Piste ist alles andere als angenehm.

Das Schlimmste stand uns aber noch bevor. In Widikum unten im Tal angekommen, mussten wir die breite Straße verlassen und uns über einen schlechten Feldweg mit vielen Furchen und Löchern bergauf bewegen. Unterwegs hielten wir an, um den Duke, den Distrikt Officer zu einem Antrittsbesuch aufzusuchen. Er befand sich gerade in einer Dorfversammlung mit dem örtlichen Fon in Bilfang dem Nachbarort von Ebendi. Dieser Aufenthalt dauerte natürlich auch seine Zeit, da erstmal Reden geschwungen wurden und ohne ein gemeinsames Glas Palmwein kann man hier nicht auseinander gehen. Ich habe artig von dem Glas, das man mir reichte und von dem Palmwein, dessen Geruch schon leicht säuerlich in dem Raum schwebte, genippt und den Rest dann stehen gelassen. Bei den Reden kam dann zum Ausdruck, dass man uns am liebsten gleich dort behalten hätte, damit wir unsere Toiletten dort bauen. Man war sehr interessiert! Es scheint grundsätzlich kein Problem zu sein, Folgeprojekte zu generieren.

Schließlich machten wir uns dann nach einer herzlichen Verabschiedung auf den Weg zum Wagen, um die letzten Kilometer zu unserem eigentlichen Ziel, Ebendi, zu schaffen. Dieser Weg sollte dann eine Offenbarung werden. Solch eine Straße habe  ich in meinen langen Jahren in Afrika noch nicht erlebt. Es ist einfach unvorstellbar, wie die Leute in Ebendi die notwendigen Transporte erledigen. Es gibt keinen anderen Weg dorthin, man muss über diese Rüttelpiste, die zu Fuß schon schwer zu bewältigen scheint. Das einzig vernünftige Verkehrsmittel dort sind die ‚Suzukis’, die Motrorbikes, von denen es auch etliche gibt. Das ist wahrscheinlich die einzige sichere Arbeitsmöglichkeit dort.

Auf jeden Fall war der Empfang überwältigend. Im Nu waren zuerst die Kinder und dann die Erwachsenen um unseren Pickup versammelt. Von jedem wurde man per Handschlag begrüßt und stellte sich gegenseitig mit Namen vor. Man hatte schon drei Stunden gewartet, um uns zu zeigen, wie man aus dem dort vorhandenen Lehm mit Wasser, das man kilometerweit herangeschafft hat, Ziegel formt. Die trocknen dann 21 Tage in der Sonne, um anschließend beim Bau der neuen Schule verwendet zu werden. 5000 davon hat man inzwischen schon hergestellt. Auch für unsere Trenntoiletten sollen diese Steine zum Einsatz kommen

Als erstes führte man uns zu der Schule, auf deren teilweise sehr steilem Gelände tausende von sonnengebrannten Steinen lagen. Wir willigten beide, Peter und ich, sofort ein, uns an dem Herstellungsprozess zu beteiligen. Die Schuhe wurden ausgezogen und als erstes mit bloßen Füßen unter dem lauten Jubel der für diese Arbeit zuständigen Frauen der Lehm mit Wasser verknetet. Danach wurde der gestampfte Lehm in eine Holzform gefüllt, glatt gestrichen und die Form nach oben hochgezogen. Der fertige Stein blieb zum Trocknen liegen. Wenn später irgendwo ein Stein sichtbar wird, der meine Initialen trägt, dann war es meiner.

Schnell zeigte man uns die inzwischen zusammengefallene alte Latrine, die wahrscheinlich schon lange keiner mehr benutzt hatte. Sie liegt ganz am unteren Rand des Geländes. Schnell war auch ein geeigneter Platz für unsere Trenntoiletten gefunden. Der Platz unterhalb der alten Schule, an dem jetzt die Erde für die Steine weg genommen wird, eignet sich hervorragend. Die Rückwand ist nach Süden ausgerichtet, um viel Sonnenwärme aufzunehmen, und die Vorderseite ist zum Hang hin gelegen, was eine Treppe zum Betreten überflüssig macht. Die Urintanks können aufgrund der Hanglage sehr leicht unterhalb der Latrinenebene ausgerichtet und die Entnahmestutzen zugänglich gemacht werden.

Nachdem der erste Begeisterungsjubel etwas abgeklungen war, ging es zur offiziellen Begrüßungszeremonie in den Empfangssaal, die Reception. Dort hatte man alles hergerichtet, um mit einem Maskentanz die Gäste gebührend zu empfangen. Peter war aufgrund seiner Tanzkünste sofort der Star und der ‚Hahn im Korb’ bei den mittanzenden Frauen des Dorfes. Nach dem Tanz gab es dann die offiziellen Reden von den versammelten Vertretern verschiedener Institutionen. Peter erledigte das souverän für die Ingenieure ohne Grenzen. Nach den Reden gab es dann noch die Gelegenheit, Geschenke zu überreichen, wie es in Afrika überall üblich ist. Von uns wurden der Vertreter des Fons, der Dorfkoordinator von PEECAS, Jakub Nji, seine Frau Emerencia, die für die Sozialgruppe der Frauen im Dorf zuständig ist und der Chairman der Lehrerschaft, der als einziger seiner Zunft noch vor Ort war, beschenkt. Die anderen Lehrer waren leider schon alle in den Weihnachtsferien. Mit einem gemeinsamen Umtrunk und leckerem Hähnchengericht klang die Feier aus.

Inzwischen war die Sonne schon langsam am Untergehen, sodass man an die Rückfahrt denken musste. Eine ursprünglich geplante Übernachtung war aus organisatorischen Gründen fallen gelassen worden. Wir wären gerne noch eine Nacht dort geblieben. So blieb uns auf die Schnelle nur noch übrig, ein paar Bilder mit den Schulkindern vor der Schule zu machen, damit man etwas für Präsentationen und Veröffentlichungen hat. Weiterhin wurden die Konturen der beiden Toilettenhäuser ausgemessen und mit Steinen gekennzeichnet.

Danach ging es dann bei völliger Dunkelheit auf diese strapaziöse Rückreise, bei der ich mir geschworen habe, diesen Weg in Zukunft nur noch per Motobike zurückzulegen. Das erscheint mir wesentlich angenehmer und schneller zu sein, als mit dem Auto. Gegen 9 Uhr abends sind wir dann wieder am Hotel angekommen und ziemlich kaputt ins Bett gefallen.

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