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Blog des Projekts Sierra Leone: Trenntoiletten für Makali

14.04.2019 // 21:03

Andere Länder, andere… Toiletten

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29.11.18 – 04.11.18

Endlich kann es mit dem Bau an den Trockentrenntoiletten weitergehen. Auf das Fundament wird die Unterkonstruktion gemauert, welche nicht nur die beiden Toilettenoberbauten, sondern auch den 2000 Liter Wassertank tragen muss. Dementsprechend gut müssen wir auf den Verbund achten. Das führt auch schon zu angeregten Diskussionen, welche von den Bauarbeitern mit “no problem” beendet werden. So bringen wir ein bisschen ingenieurwissenschaftliches Denken mit auf die Baustelle.

Das stille Örtchen

In Sierra Leone ist einiges anders als wir es gewohnt sind, das ist klar. Natürlich gehört dazu auch das stille Örtchen. So nutzt man in Sierra Leone beispielsweise meistens Hocktoiletten, wie wir sie höchstens im Italien-Urlaub mal gesehen haben. Außerdem nutzt man auch kein Toilettenpapier, sondern betreibt Analwäsche mit Wasser. Dieses Konzept ist dem ein oder anderen vielleicht aus Japan bekannt. In dem hochtechnologisierten Land findet man sogar häufig Dusch-WCs mit eingebautem Bidet. In dem armen Sierra Leone muss ein Kännchen mit Wasser ausreichen.
Natürlich berücksichtigen wir bei der Implementierung die andere „Toilettenkultur“. Ein wenig müssen sich die Schülerinnen und Schüler bei der Nutzung der neuen Toiletten dennoch umgewöhnen. Bei einer Trockentrenntoilette werden Urin und Kot nämlich bei der Benutzung getrennt. Der Kot soll dabei möglichst trocken bleiben und der Urin nicht mit Kot kontaminiert werden. Es muss also sowohl für das eigentliche Geschäft, als auch für die Analwäsche in der Toilette eine Hockstelle (engl. squatting pan) her. Oder wie die Toilettenexperten, die wir ja inzwischen sind, sagen: “Interface”, also eine Schnittstelle zwischen Mensch und Klo bzw. Ablauf.

Um so etwas zu bauen brauchen wir eigentlich nur zwei Trichter für Urin beziehungsweise Analwaschwasser und zwei Löcher für den Kot. In anderen Ländern, wie zum Beispiel in Kenia, können vorgefertigte Plastikformen hierfür gekauft werden. In Sierra Leone mussten wir jedoch ein bisschen kreativ werden. Die einfachste Variante, auf die wir gestoßen sind und die auch relativ einfach mit nur wenig Fachwissen nachgebaut werden kann, sind Trichterformen aus Beton.
Man stellt vier trapezförmig zugeschnittene Fliesen zu einer kleinen Pyramide in eine passende Kiste aus Holz, welche als äußere Form dient. Die Unterseiten der Fliesen zeigen dabei nach oben. Das ist wichtig, denn die Fliesen bilden später, als sogenannte „verlorene Schalung“, die Oberfläche des Trichters. Damit man den fertigen Betonblock später sicher in der Bodenplatte der Toilette fixieren kann, werden in die Holzbox noch Stahlstäbe eingelegt. An der engsten Stelle des Trichters wird ein Rohr vorgesehen, damit die im Trichter gesammelte Flüssigkeit später auch abfließen kann. Beton drüber – fertig. Man sollte dem ganzen allerdings ausreichend Zeit zum Trocknen geben, was uns später noch fast zum Verhängnis wird.

Hoher Besuch

Am Mittwoch kommt eine kleine Delegation des Gesundheitsministeriums des Bombali Districts auf unsere Baustelle, was wir echt klasse finden. Die drei werden von unserem Projektbegleiter in einem MADAM-Wagen mitgebracht. Mit strahlenden Augen stehen sie vor unserem kleinen Steinhaufen, der schon die ersten Züge von dem erkennen lässt, was später einmal daraus entstehen soll, und erzählen wie beeindruckend sie unsere Arbeit finden. Wir erklären ihnen das Prinzip, denn Trockentrenntoiletten und deren Technik sind in Sierra Leone noch kaum bekannt.

Die erste Bodenplatte

Nach dem hohen Besuch geht es mit Schalungs- und Bewehrungsarbeiten weiter. Hierfür müssen unzählige Bretter, Stöcke und Bewehrungsstäbe geschnitten und aneinander genagelt oder gebunden werden. Alles per Hand versteht sich. Dementsprechend anstrengend ist das passgenaue Biegen der Bewehrungsstäbe. Und das alles in der feuchten Hitze Westafrikas. Wir haben riesigen Respekt für jeden unserer Freunde, die hier für ihr Dorf und ihre Kinder diese Arbeit leisten.
 
Wie weit deutsche Normen und die Erfahrung qualifizierter Sierra Leonischer Fachleute auseinander gehen, merken wir immer wieder, doch eine Betonplatte, die zur Hälfte aus Stahl zu bestehen scheint, sorgt doch für besondere Belustigung der gebürtigen Afrikaner.
Wir möchten unbedingt vor dem Wochenende die erste Bodenplatte betonieren, da diese über das Wochenende trocknen soll. Also müssen wir alle kurz vor dem Wochenende Überstunden machen. Wir können aber mit ein paar kalten Energydrinks für gute Laune sorgen und bekommen alles noch vor dem Wochenende betoniert.

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