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Blog des Projekts Kamerun: Wasser schafft Wege – Für mehr Gesundheit in Kamerun

30.09.2018 // 12:37

Ablauf einer Animation und Prospektion von St. Martin

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Nach der Ausreise haben wir uns als Projektgruppe neue Ziele gesetzt und arbeiten gerade daran, das Projekt weiter voranzutreiben.

Wie angekündigt werden wir uns in diesem Blogeintrag aber erst einmal der Arbeit von der Stiftung St. Martin etwas genauer widmen:

 

In der Regel gibt es bei jedem Projekt von St. Martin - bzw. bei jedem Brunnen, der gebaut werden soll - einen einheitlichen Ablauf. Nachdem die Anfrage für einen Brunnen bei St. Martin eingegangen ist, durchläuft das Projekt fünf Phasen, die zum erfolgreichen Abschluss des Brunnenbaus führen.

Diese sind folgende:

  1. Ortsbegehung
  2. Animation
  3. Prospektion
  4. Bau des Brunnens
  5. Einweihung des Brunnens

Während unserer Implementierung in Kamerun hatten wir die Möglichkeit, bei einer Animation, sowie bei einer Prospektion dabei zu sein. Beide Phasen finden am gleichen Tag statt. In unserem Fall wurde erst die Prospektion und darauf folgend die Animation durchgeführt. Da die beiden Phasen in der Regel nicht in dieser Reihenfolge ablaufen, wird im Folgenden zuerst die Animation und danach die Prospektion beschrieben.

 

Animation

Die Animation findet erst dann statt, wenn der Brunnenbau durch St. Martin genehmigt und der finanzielle Eigenanteil vom jeweiligen Dorf gezahlt wurde. Dies geschieht in der Regel immer nach der Ortsbegehung. In unserem Fall wurde die Animation eine Woche vor der Umsetzung dieser Phase angekündigt. Bei der Animation bringt St. Martin das ganze Dorf zusammen. Es handelt sich also um eine Art Dorfversammlung, bei der möglichst viele Bewohner*innen dabei sein sollen. Eine wichtige Voraussetzung hierbei ist, dass mindestens 30 Personen anwesend sind. Dazu gibt es eine Liste, in die sich jeder eintragen soll. Der Beginn der Animation kann bis zu einer Stunde hinausgezögert werden, um allen eine Chance zu geben, teilzunehmen. Sollten dann noch immer nicht  mindestens 30 Personen anwesend sein, findet keine Animation statt. St. Martin kann dann außerdem entscheiden, keinen Brunnen mehr zu bauen, da in der Gemeinde scheinbar kein Interesse hierfür vorhanden ist.

Bei der Animation werden den Zuschauern Bilder, die viele sehr wichtige und informative Aspekte des Brunnenbaus betreffen, gezeigt und erklärt. Die Animation findet grundsätzlich auf der Muttersprache der Dorfgemeinde statt Das Projektteam beherrscht daher Ewondo, Bassa und einige Muttersprachen des Bamiléké Stamms. In Regionen, deren Dialekt nicht bekannt ist, erfolgt die Animation auf Französisch. Dies kommt allerdings seltener vor.

 

Die Animation teilt sich in 3 Abschnitte auf:

Als erstes werden Bilder zu der Vorbereitungsphase (Animation, Prospektion, Bau) bis hin zum abschließenden Bau des Brunnens und zur Einweihungsfeier gezeigt und erklärt.

Anschließend wird dem Dorf anhand von weiteren Bildern der allgemeine Umgang nach dem Bau der Brunnen erläutert. Hier werden Themen wie Sauberkeit der Umgebung des Brunnens, Öffnungszeiten des Brunnens, keine Kinder unter 10 Jahren dürfen den Brunnen betätigen, generelle Wartungsarbeit am Brunnen, etc. besprochen. Die angehängten Bilder geben dies beispielhaft wider.

Im dritten und letzten Teil der Animation wird von der Dorfgemeinde ein Komitee aus sechs Personen gewählt , das ab sofort dafür sorgt, dass der Brunnen und dessen Peripherie einwandfrei funktionieren. Das Komitee besteht unter anderem aus einem Präsidenten, einem Sekretär, einem Kassenwart usw. Diese Personen fungieren im Rahmen des Projektes als Botschafter des Dorfes, die einen Vertrag mit St. Martinunterschreiben. Danach wird das Komitee begrüßt, es finden traditionelle Tänze statt und die ganze Gemeinde wird in einem Foto festgehalten. 

 

Prospektion

Bei der Prospektion wird nach Wasser und somit nach einem geeigneten Ort für das Graben eines Schachtbrunnens gesucht. Die Prospektion ist jedoch nicht vergleichbar mit einer geophysikalischen Erkundung, wie sie beispielsweise in Deutschland durchgeführt wird. Seit etwa 27 Jahren führt Pawel (Name von der Redaktion geändert), ein Mitarbeiter der Stiftung St. Martin, die Prospektion durch. Er ist Kameruner und der Einzige in der gesamten Stiftung, der diese Art der Prospektion durchführen kann. Die Suche nach einem geeigneten Ort für den Brunnen ist eine Mischung aus Kunst, Kultur/Tradition und Glaubenskraft (Innere Führung). Dies kann nicht jeder und lässt sich auch nicht als „Wissen“ im Rahmen einer Ausbildung oder ähnlichem an andere weitergeben. Aus diesem Grund führt Pawel (Name von der Redaktion geändert) die Prospektion bereits sehr lange alleine durch.

 

Nachdem ein potenzieller Ort weitestgehend von Pflanzen befreit wurde, “scannt“ Pawel mit einer Wünschelrute (s. Bild) die Umgebung, um die richtige Richtung zu finden, in der es Wasser gibt. In einem nächsten Schritt wird ein Pendel (s. Bild) dazu verwendet, den richtigen Punkt zu lokalisieren. Pawel benutzt das Pendel außerdem, um zu prüfen, ob der gewählte Ort tatsächlich der richtige ist. Danach wird der Ort noch einmal mit einer Winkelrute (s.Bild) überprüft. Mit der Wünschelrute wird schließlich festgestellt, in welcher Tiefe sich das Wasser befindet.

Nachwuchs für Pawel zu finden, ist sehr schwierig, da keine Ausbildung für diese Arbeit existiert. Pawel hofft jedoch, irgendwann einen würdigen Nachfolger zu finden. Manchmal schickt er andere Personen in die Dörfer, um die Prospektion durchzuführen, doch meistens scheitern diese Vorhaben. Pawel hingegen hat eine Treffquote von ca. 80% bis 90%. Die größten Probleme gibt es bei zu felsigem Untergrund, sodass das Grundwasser nicht erreicht werden kann.

 

Wir hoffen, Sie konnten einen kleinen Überblick, über einen Teil der Arbeit von der Stiftung St. Martin bekommen. Neuigkeiten bezüglich unserer Projektfortsetzung werden demnächst folgen.

 

 

Viele Grüße aus Aachen!

 

Eure Projektgruppe Kamerun

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